8. November 2015

REVIEW: Der Marsianer (2015) - „Kartoffeln, Kacke, Klebeband“

  
Der Marsianer - Rettet Mark Watney
© 20th Century Fox

APOLLO 13 meets CAST AWAY. „Er ist wieder da!“ schallt es durch die Reihen der Cineasten. Die Rede ist von Ridley Scott. Nach vielen Eskapaden in den letzten zehn Jahren ist der Regisseur von ALIEN und GLADIATOR mit einer neuen Weltraumodyssee zurück. Doch ist dieser Film wirklich sein Comeback?

Der Mars. 140 Millionen Meilen entfernt. Das Team der ARES III Mission sammelt Boden- und Gesteinsproben. Nach den beiden vorherigen und sehr erfolgreichen ARES Missionen beinahe eine Routineaktion.  Doch die Crew wird durch einen starken Marssturm zum frühzeitigen Abbruch der Expedition gezwungen. Während der Evakuierung durch Commander Lewis (Jessica Chastain) wird der Astronaut Mark Watney (Matt Damon) von umherfliegenden Trümmerteilen getroffen und verschwindet im wütenden Chaos. Nach dem erfolglosen Versuch ihren Kameraden im Sturm zu lokalisieren, erklärt Lewis Watney für tot und befehligt den sofortigen Aufbruch der HERMES Raumstation Richtung Erde. Doch der totgeglaubte Mark Watney lebt. Und kämpft fortan um sein Leben. Allein. In völliger Isolation.

DER MARSIANER ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Andy Weir. Fun Fact: Weirs Manuskript wurde von unzähligen Verlagen abgelehnt. So stellte er das Buch zum kostenlosen Download und später zum Mindestpreis von 0,99 $ als Kindle-Version zur Verfügung. Ein enormer Erfolg. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich leider im Nachfolgenden nicht beurteilen wie gut der Stoff umgesetzt wurde.

Science the S*** Out of This

Watney, der Botaniker und Ingenieur ist, steht vor der Mammutaufgabe seine Vorräte zu strecken, neue Nahrung auf einem unfruchtbaren Planeten anzubauen, die beschädigten Anlagen zu reparieren und Kontakt zur Erde aufzunehmen. Denn Rettung naht in frühestens vier Jahren, wenn die nächste ARES Mission erneut auf dem Mars landet.
Er beschließt sich der Natur nicht zu unterwerfen, hier nicht zu sterben und nutzt seine Spitzfindigkeit und seinen Intellekt. So schafft er es Kartoffeln mit herbeigekarrter Marserde, den vakuumverpackten Exkrementen der Crew und durch eine chemische Reaktion gewonnenes Wasser, anzubauen. Watney - Kolonialherr des Mars und Space-Pirat auf nationslosem Boden. Die Tristesse seines Daseins wird dabei mit den konträren Klängen der verhassten Disco-Playlist von Commander Lewis untermalt.
Erst durch sich verändernde Satellitenbilder bemerkt die NASA zufällig, dass Watney noch am Leben sein muss. Ein PR-Desaster für die Raumfahrt. Von diesem Zeitpunkt an, wird mit allen Mitteln an Plänen gearbeitet, um den Landesmann in einer spektakulären Rettungsaktion heil nach Hause zu bringen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Noch Fragen Neil Armstrong?

DER MARSIANER ist eine One-Man Show in einer (Alb-)Traumlandschaft. Ein Survival Guide, untermalt mit großartigen Bildern und dem wohl funkiesten Soundtrack seit GUARDIANS OF THE GALAXY.
Doch gerade was DER MARSIANER von anderen Sci-Fi Filmen der letzten Jahre wie GRAVITY oder INTERSTELLAR unterscheidet, bricht ihm auch teilweise das Genick. Anders als diese Filme will DER MARSANER keine tiefschürfenden philosophischen Gedanken hervorrufen oder „deep“ sein. Im Gegenteil. Mit Motivation, Überlebenswillen und einer gehörigen Portion Galgenhumor präsentiert Ridley Scott mit Hilfe des Drehbuchautors Drew Goddard (DAREDEVIL, THE CABIN IN THE WOODS) seinen bisher wohl lustigsten Film – verliert dabei jedoch an nötiger Ernsthaftigkeit. Watney wird durch Sympathie-Träger Matt Damon als coole Socke dargestellt, der optimistisch bleibt trotz der schier ausweglosen Situation. Nichts da mit einem mentalen Breakdown. Ja, der Protagonist muss auch Rückschläge einstecken, doch so wirklich verzweifelt wirkt Watney nie. Er ist und bleibt der schlaue, rationale Wissenschaftler, der selbst im Angesicht des ziemlich sicheren Todes witzige Sprüche reißt. Dadurch kommt zumindest bei mir kaum Empathie für den Protagonisten auf und auch die Crew mit ihrer fortwährenden Fokussierung wirkt mehr als eisig und dadurch ziemlich unsympathisch.
Die Nebendarsteller sind hochkarätig mit Kate Mara, Chiwetel Ejiofor oder auch Sean Bean besetzt, die allesamt keine komplexen Charaktere verkörpern und dadurch ihr Können kaum unter Beweis stellen können. Da liegt der Verdacht nahe, dass hier für große Namen auf den Filmplakaten gecastet wurde.
Der Plot ist leider mehr als voraussehbar. Dennoch ist die Handlung dankenswerterweise in drei Stränge aufgeteilt: Mars (Watney), Weltall (Crew), Erde (NASA). Dabei wird jedem Strang genug Zeit gegeben seine Sicht der Dinge mit allen Höhen und Tiefen zu erzählen. Kein ständiger Wechsel der Örtlichkeiten, der den Zuschauer aus der Handlung immer wieder rausreißt.
Trotz einiger Längen, wird man letzten Endes mit einer wirklich schönen Rettungsszene belohnt, die einem Tanz im All gleich kommt. Und so verabschiedet sich der Zuschauer von dem Tausendsassa Mark Watney zu den passenden Klängen von „I Will Survive“.

Es ist Gaffa, das die Welt, im Innersten zusammen taped

DER MARSIANER ist ein leichter Film trotz thematisch schwerer Kost. Er soll unterhalten - und das tut er auch. Leider zieht sich der Film stellenweise etwas und hat es zudem nicht geschafft mich emotional zu involvieren, trotz der Horrorvorstellung allein auf einem Planeten gefangen zu sein ohne sichere Aussicht auf Rettung. Dennoch bietet DER MARSIANER visuell so einiges und zaubert einem immer wieder ein Grinsen aufs Gesicht. Doch ob dieser Film eine Rückkehr Ridley Scotts darstellt, wage ich noch zu bezweifeln. Daher bleibt abzuwarten, ob sein nächster Film auf einem ähnlich hohen Niveau glänzen kann.


7,5 / 10



Titel:                Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              Ridley Scott
Cast:               Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Michael Peña, Aksel Hennie,
                    Sebastian Stan, Jeff Deniels, Chiwetel Ejiofor, Kristen Wiig, Sean Bean
Produktionsland:      USA
Länge:              144 Minuten
Kinostart:            08. Oktober 2015






1 Kommentar

  1. Ich hatte auch meine Probleme mit Matt Damons Darstellung der "coolen Socke". Es dauert eine Weile bis man akzeptiert, dass dieser Typ einfach nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Er ist halt einfach so. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Allerdings muss ich sagen, dass ich jetzt wieder aufatmen kann, denn nach EXODUS habe ich kurzzeitig an Ridley Scott als Regisseur gezweifelt.

    Hier meine Review zu DER MARSIANER in aller Ausführlichkeit: https://filmkompass.wordpress.com/2015/10/13/the-martian-3d-2015/

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