24. November 2015

REVIEW: Macbeth (2015) - "Ein Königreich aus Nebelschwaden"

  
der cineast Macbeth und Lady Macbeth
© Studiocanal

Shakespeare. Das ist Romeo und Julia, Hamlet, und eben auch Macbeth. Zum Glück haben wir in der Schule nie Shakespeare behandelt. Denn so konnte ich völlig unbefangen an die Thematik herantreten und mich zunächst im Kinositz zurücklehnen. Das blieb jedoch nicht lange so, denn MACBETH ist alles andere als gewöhnliches Popkornkino.


Die Story von MACBETH ist in seinen Grundzügen schnell erzählt: dem königstreuen Gefolgsmann und glorreichen Heerführer Macbeth (Michael Fassbender) erscheinen nach einer gewonnenen Schlacht auf dem Kampffeld drei Hexen. Diese prophezeien ihm, dass er selbst König Schottlands werden würde. Seinem engen Freund und Begleiter Banquo (Paddy Considine) verkünden sie hingegen, dass er einst Ahnenvater vieler Könige werden würde. Maßgeblich durch seine ehrgeizige Frau, Lady Macbeth (Marion Cotillard), angespornt, schmiedet das Ehepaar den Plan dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen und König Duncan (David Thewlis) zu ermorden. 

Die Tat gelingt und Macbeth hängt den Mord dem Sohn des Königs an, der flüchtet. Und so erfüllt sich die Prophezeiung der Hexen – Macbeth wird zum neuen König Schottlands gekrönt. Doch seine Taten haben den einst geachteten Kriegsherren gezeichnet. Er verliert zunehmend seinen Verstand und wird paranoid. Noch immer zutiefst von dem Verlust des eigenen Kindes, ganz zu Beginn des Films, ergriffen, distanziert sich selbst seine eigene Frau immer weiter von ihrem Ehemann.
Erneut sucht er die drei Hexen auf, die ihm voraussagen, dass ihm kein Mann, der von einer Frau geboren wurde, ihm jemals etwas anhaben könnte. Doch Macbeth wähnt sich nie in Sicherheit. Er hat sich in den Kopf gesetzt, nach Männern zu suchen, die nicht von einer Frau geboren wurden und diese zu töten. Und so beginnt die Schreckensherrschaft des König Macbeth.

All hail, Macbeth!

Undurchdringbarer Nebel, karge Landschaften, die schottischen Highlands – ein rauer Wind umweht die durch die triste Grasdecke durchbrechenden Felsen. Ein Fleckchen Erde, an dem die Sonne nie den Borden zu erreichen scheint.
Mit MACBETH, der bereits fünften Filmadaption des Theaterklassikers, hat Regisseur Justin Kurzel ein audiovisuelles Opus geschaffen, das seinesgleichen sucht. Künstlerisch inszenierte Schlachtsequenzen, eindringliche Charakterstudien, der Nebel, der sich im Laufe des Films scheinbar mit Blut tränkt und nicht zuletzt das großartige Zusammenspiel aller Akteure ergeben eine nahezu perfekte Symbiose aus Theater und Kino. Es ist eine epochale Wucht, die den Zuschauer trifft. Ein Film, auf den man sich einlassen muss. Andernfalls wird MACBETH schnell zur schweren Kost, da es sich beim Drehbuch um zum größten Teil originalbelassene Dialoge aus der Vorlage handelt. Doch eben in dieser Lyrik gehen einige inhaltliche Details unter, besonders wenn die Konzentration nachlässt, die man wirklich für den Film benötigt.

„Von Skorpionen voll ist mein Gemüt.“

Für diejenigen, die das Stück in der Schule behandelt haben, könnte MACBETH etwas langweilig werden. In diesem Fall kann man sich dennoch von der hypnotischen Intensität berauschen lassen mit der Fassbender und Cotillard hier abliefern. Spätestens wenn Kurzel nachzeichnet, wie Macbeth und Lady Macbeth ihrem persönlichen Wahnsinn verfallen und über die Wange Fassbanders eine einsame Träne rinnt, ist es um einen geschehen. Besonders ist noch der neue Blickwinkel auf Lady Macbeth zu erwähnen, die hier als weniger intrigante, manipulative, übereifrige Frau sondern entgegen aller vorherigen Adaptionen viel mehr als zielstrebige, aber schmerzerfüllte und gebrochene Mutter dargestellt wird.
Dennoch ist die Charakterentwicklung Macbeths bzw. der Umschwung seines Gemüts gen Wahnsinn sehr drastisch und geschieht recht schnell. Hier hätte es nicht geschadet ein wenig mehr Zeit für den innere Entwicklung und den Kernkonflikt zu investieren.
Nichtsdestotrotz ist MACBETH zu einer beeindruckenden, modernen und facettenreichen Adaption des Shakespeare Klassikers geworden, das besonders Augen und Ohren gleichermaßen erfreut. 


8,0 / 10



Titel:                Macbeth
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              Justin Kurzel
Cast:               Michael Fassbender, Marion Cotillard, David Thewlis, Paddy, Considine,
                                 Jack Reynor
Produktionsland:      Großbritannien, USA, Frankreich
Länge:              113 Minuten
Kinostart:            29. Oktober 2015






1 Kommentar

  1. Ha, hab den Film genauso gut bewertet. Die Optik ist wirklich berauschend gut. Und Fassbender ist sowieso immer ein guter Grund ins Kino zu gehen.

    Hier meine Review zum Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/11/11/macbeth-omu-2015/
    Und hier die Review zum Theaterstück (All hail, NT LIVE!): https://filmkompass.wordpress.com/2013/10/19/nt-live-macbeth-o-2013/

    Und weil's so schön ist, noch "Quentin Tarantino goes Macbeth": https://www.youtube.com/watch?v=gF_IoV7GyL0

    AntwortenLöschen

Popular Posts

Instagram

Facebook