27. November 2015

REVIEW: Spectre (2015) - „Tempus non fugit“

  
der cineast James Bond Spectre Martini
© Sony Pictures

„Tempus fugit“: die Zeit verfliegt. Wohl eher nicht. SPECTRE ist der 24. Film der James Bond Reihe. Es sollte der krönende Abschluss der „Craig-Ära“ werden, doch der Schuss ging im wahrsten Sinne nach hinten los. SPECTRE wollte dort anknüpfen wo SKYFALL endete – in Bonds Vergangenheit. Was dabei herauskam war ein gewollter Film nach dem Standard-Bond-Baukasten-System. Hat sich das Franchise überholt?


„The Dead Are Alive“

Mexico City, Mexico. Bond mischt sich unter die Feierlichkeiten zum Día de Muertos, dem Tag der Toten. Die Kamera folgt ihm von der Menschenmasse in ein Hotelzimmer, auf dessen Balkon, weiter über die Dächer der Stadt. Bond kann zwei Attentäter durch eine riesige Explosion töten. Zuvor beauftragte M (Judy Dench) Bond post mortem in einer Videobotschaft Marco Sciarra zu finden, zu töten und dessen Beerdigung unter keinen Umständen zu verpassen. Sciarra kann dem Anschlag Bonds jedoch zunächst entkommen. In einer bondtypischen Verfolgungsjagd gelingt es 007 aber doch noch seine Zielperson zu töten. Dabei fällt ihm ein mysteriöser Ring mit Oktopus-Prägung in die Hände.

Zurück in England wird Bond auf Grund seines unplanmäßigen Einsatzes in Mexico von M (Ralph Fiennes) suspendiert. Dieser führt zeitgleich einen internen Kampf mit C (Andrew Scott), dem neuen Chef des Centre for National Security. Dieser hält das Doppelnull-Programm für antiquiert, möchte es einstampfen und gegen ein Überwachungsabkommen mehrerer Länder zur globalen digitalen Überwachung austauschen. Bond wiedersetzt sich seiner Suspendierung und dem Befehl in England zu bleiben, um wie geplant an der Beerdigung Sciarras in Rom teilzunehmen. Ein Techtelmechtel mit der älteren Witwe (Monica Bellucci) inklusive. In Italien kommt Bond der ominösen Geheimorganisation Spectre auf die Spur, die weltweit die Fäden zu ziehen scheint. Madeleine Swann (Léa Seydoux), Tochter eines alten Widersachers, begleitet Bond bei der Reise rund um den Globus auf der Suche nach Spectre und wird dabei von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt.

„Der Urheber all deiner Schmerzen“

Ich kann mir nicht helfen – ich war von SPECTRE zutiefst enttäuscht. Der beste Teil des Films sind vielleicht die ersten 20 Minuten. Vor allem der One-Shot durch die Parade zum Tag der Toten ist ganz wunderbar anzusehen. Die Augen erfreuen sich geradezu am Detailreichtum dieser Szenen. Danach verschwimmt 007 eher zu 0815.
In SPECTRE wollte Sam Mendes (AMERICAN BEAUTY) alle Fäden der letzten drei Bond Filme zusammen laufen lassen. Kein schlechter Kerngedanke – doch auch hier eine mangelnde Umsetzung. Einen Oberschurken zu konstruieren, der für all das Leid von Bond verantwortlich sein soll wirkt mehr als zusammengeschustert. Auch wenn Christoph Waltz hier die Rolle des Antagonisten übernimmt – so ganz will der Funke nicht überspringen. Hat man ihn doch schon zu oft in eben dieser, seiner Paraderolle, so oder so ähnlich gesehen.
Auch in SPECTRE bekommt man wie bei fast jedem Bond Action „on fleek“ geboten und auch die saloppen Sprüche sitzen wie eh und je. Doch der Plot folgt nichts anderem als den bewährten Bond-Elementen: Einlauf von M, Flirt mit Moneypenny, Gadgetvorführung bei Q, diverse Techtelmechtel, … und natürlich die Martinis zwischendurch.

Mit „Writing's on the Wall“ steuerte dieses Jahr Sam Smith den Bond-Song bei. Auch hier wird musikalisch an die schwermütige, orchesterstarke Stimmung des Vorgängers angeknüpft. Mein Fall war der Song jedoch nicht. Ebenso wenig wie das Intro, das wie gewohnt sehr hochwertig und einzigartig daher kommt, jedoch auch etwas verstörend wirkt. So erblickt der Zuschauer des Öfteren Frauen mit Tentakeln, die eher an Arielles Ursula erinnern.
Dennoch muss man SPECTRE zugutehalten, dass er thematisch recht aktuell ist. „Datenkraken“, globale Überwachung und Spionage – Snowden lässt grüßen. Auch die Art der Bond-Girls ist eine modernere. So ist mit Monica Bellucci die erste „Bond-Lady“ vertreten, auch wenn dieses Techtelmechtel wirkt, als wollte man etwas wagen. Leider hat sie für den weiteren Verlauf absolut keine Relevanz mehr und so verschwindet die Dame ebenso schnell wie sie aufgetaucht ist. Auch das zweite Bond-Girl, Léa Seydoux, ist hier weniger ein Sexobjekt als vielmehr eine Gefährtin.

Zugegebenermaßen waren die Ansprüche nach SKYFALL mehr als hoch, dennoch ließ SPECTRE quasi all sein Potential liegen und bleibt Meilen hinter seinem Vorgänger zurück. Letzten Endes ist SPECTRE eine solide Leistung mit einigen Schwächen, der dem Druck einer großartigen Fortsetzung nicht gerecht werden konnte. Wer einen faden Plot und Logikfehler verzeihen kann, Fan von geballter Action mit einer gehörigen Portion englischem Charme und des Franchises ist, kann sich jedoch getrost in die Fänge von SPECTRE begeben.


4,5 / 10



Titel:                Spectre
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              Sam Mendes
Cast:               Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ralph Fiennes,
                                 Ben Whishaw, Naomie Harris, Dave Batista, Monica Bellucci,
Produktionsland:      Großbritannien
Länge:              148 Minuten
Kinostart:            05. November 2015




Kommentare

  1. Mir ging es ganz genauso. Meine Erwartungen waren hoch. Das lag hauptsächlich auch an der wochenlangen Beschallung in den Medien. Bei Bond scheint sich eine Art Pendelwirkung einzustellen. CASINO ROYALE großartig, QUANTUM TROST furchtbar, SKYFALL fantastisch, SPECTRE enttäuschend. Sollte ich mit meiner Theorie Recht haben, müsste der nächste Film wieder toll werden. Hoffentlich ist Daniel Craig dann noch dabei. Sollte er jetzt aufhören, wäre das ein wirklich fader Abgang.

    Hier meine Review zu SPECTRE: https://filmkompass.wordpress.com/2015/11/06/james-bond-spectre-2015/

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  2. Angeblich würde sich Craig lieber die Pulsadern aufschneiden als ein weiteres Mal den Bond zu mimen. Es bleibt abzuwarten - glaube aber auch, dass er zumindest noch den 25. Bond Film machen wird.

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  3. Hallo,
    also ich kann eure Kritik gar nicht nachvollziehen. Ich fand Spectre super und sehr gelungen. Dass die Bond-Filme einem Schema folgen und immer wieder Gleiches kommt - wie die Martinis - das ist doch klar. Wird auch erwartet, oder? Alle Fäden zusammenlaufen zu lassen fand ich auch gut. Das Bondgirl fand ich genial und ich fand, dass die Rollen von Moneypenny und Q viel ausgeprägter dargestellt waren als sonst.
    Ich hoffe, Daniel Craig macht noch nen Bond ;)
    Liebe Grüße, Anne von www.mewasabi.com

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    1. Hey Anne!

      Die Geschmäcker sind natürlich verschieden. Besonders bei Filmen :)
      Ich kann einige deiner Punkte nachvollziehen. Natürlich gibt es bestimmte Schemata, die einen Bond Film zu so einem machen und ihn auszeichnen.
      Jedoch war ich nach einem sehr guten Film wie Skyfall sehr enttäuscht, dass hier das Potential nicht noch weiter ausgebaut wurde. Denn der Cast war wie du schon angedeutet hast gut gewählt.
      Auch hoffe ich genau wie du, dass Craig noch einen weiteren Film machen wird!

      Liebe Grüße,
      Manon

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