22. Dezember 2015

REVIEW: By The Sea (2015) - "Sind wir pervers?"

  
der cineast By The Sea Roland und Vanessa Bett
© Universal Pictures

Nach dem Kriegsdrama UNBROKEN macht Angelina Jolie-Pitt erneut einen Ausflug in die Regiearbeit. Seit MR. & MRS. SMITH vor 10 Jahren ist es auch der erste Film, bei dem sie mit ihrem Mann Brad Pitt erneut vor der Kamera steht. In ihrem vierten Film BY THE SEA inszeniert Jolie-Pitt ein Ehepaar, das tief in einer Krise steckt. Scheinbar das Kontrastprogramm zu ihrem eigenen Leben. Doch ist es ihr gelungen ein Stück zu schaffen, das abgesehen von den großen Namen seine Daseinsberechtigung hat?


Der Schriftsteller Roland (Brad Pitt) und die ehemalige Tänzerin Vanessa (Angelina Jolie-Pitt) fahren in den 70er Jahren nach Frankreich um in einem kleinen Bade- und Fischerort am Mittelmeer Zerstreuung zu finden. Das New Yorker Ehepaar steckt jedoch in einer tiefen Ehekrise.
Die Beiden leben aneinander vorbei. Gemeinsam allein heißt die Devise. Roland, der versucht seiner Schreibblockade zu entfliehen und einen neuen Roman zu schreiben, verbringt seine Zeit hauptsächlich trunken in der örtlichen Bar. Dort schließt er recht schnell Freundschaft mit dem freundlichen Barkeeper Michel (Niels Arestrup), der tagtäglich den Seelsorger mimt.
Vanessa verlässt das Hotelzimmer indes nur für die nötigen Einkäufe. Die meiste Zeit verwendet sie darauf lethargisch, jedoch stets perfekt gestylt, im Bett oder auf der Balkonliege zu verweilen. Der Grund für Elend bleibt zunächst schleierhaft.

Mehr Schein als Sein

Diese verfahrene Situation ändert sich mit dem Einzug des frisch verheirateten Paares Léa (Mélanie Laurent) und François (Melvil Poupaud) in das benachbarte Zimmer. Eines einsamen Nachmittags entdeckt Vanessa nämlich ein kleines Loch in der Wand, durch das sie in das Hotelzimmer der jungen Eheleute blicken kann. Von dort an wird es zu ihrem täglichen Vergnügen Léa und François bei ihren Aktivitäten zu zusehen. Als eines Tages auch Roland das geheime Loch in der Wand entdeckt, sehen sich er und Vanessa fortan das rege Treiben im Nachbarzimmer gemeinsam an. Es wird zu einem Ritual, das die Beiden scheinbar wieder näher zusammen bringt. Doch es ist ein Spiel mit dem Feuer, als Roland und Vanessa beginnen Freundschaft mit Léa und François zu schließen und versuchen sie wie Marionetten für sich tanzen zu lassen. Besonders für Vanessa geht eine seltsame Faszination von dieser Situation aus, deren Bann sie sich nicht entziehen kann. So beginnt sie langsam alles und jeden um sich herum mit in ihren Abgrund zu reißen - ohne Rücksicht auf Verluste.

Ganz schön (langweilig)

Es ist ein sich schier endlos ergießendes Elend, dass einem in BY THE SEA von Regisseurin Angelina Jolie-Pitt geradezu aufgedrückt wird. Dabei kann man jedoch kaum Empathie für die Charaktere empfinden. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass „Brangelina“ in der Öffentlichkeit – abseits von der Kinoleinwand – geradezu eine Bilderbuchehe zu führen scheint. Da fällt es schwer dem Paar eine zerrüttete Ehe abzukaufen.
BY THE SEA ist ferner ein viel zu lang geratener „Fashion-Film“ – wunderschön aber bedeutungslos. Ja, Angelina Jolie-Pitt ist eine sehr schöne Frau und ihr Stil ist in diesem Film durchaus sehr elegant und bezaubernd. Auch der leicht retro-anmaßende Sepia-Schleier kann nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass sich der Film immer wieder in bedeutungsvollanmutenden Dialogauftakten verliert, die in der lethargischen Leere der dahin vegetierenden Protagonisten enden.
Die Grundidee von BY THE SEA ist dabei gar nicht mal eine schlechte. Ein Ehepaar, das durch das scheinbar so verbotene und verpönte Hobby wie den Voyeurismus wieder zueinander findet, hätte durchaus interessant inszeniert werden können. Auch die Bildersprache, wie Vanessas Sonnenbrille, die von Roland stets umgedreht wird um Kratzer auf den Brillengläsern zu vermeiden, lädt zu Interpretationen ein. Doch besonders durch das Kernproblem, bei dem ganz tief in die weibliche Klicheekiste gegriffen wurde, verschenkt BY THE SEA enorm viel. Er wollte mit seinen vielen untertitelten Szenen so französisch sein - so gewollt europäisch wirken.
Man verlässt das Kino mit einem hoch unbefriedigten Gefühl und der im Kopf hämmernden Stimme, die einem entgegen mault: „Echt jetzt? Das war des Pudels Kern?“

BY THE SEA mag für Angelina Jolie-Pitt ein Film mit hohem persönlichen und emotionalen Stellenwert sein, da sie hier viele Eindrücke ihrer eigenen Mutter verarbeitet hat. Dennoch kann ich nur raten: Schuster, bleib bei deinen Leisten.



4,5 / 10



Titel:                By The Sea
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              Angelina Jolie-Pitt
Cast:               Angelina Jolie-Pitt, Brad Pitt, Mélanie Laurent, Melvil Poupaud, Niels Arestrup
Produktionsland:      USA
Länge:              132 Minuten
Kinostart:            10. Dezember 2015




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