6. Dezember 2015

REVIEW: Marvel's Daredevil (Staffel 1) - „Ein Held in Teufelsküche“

  
der cineast Marvel's Daredevil Matt Murdock
© Netflix

Gleich vorweg – ich habe mich selbst nie aktiv mit Comics und Superhelden auseinandergesetzt. Marvel oder DC? Diese Frage stellte sich mir nie. Dennoch kommt man heutzutage an Superhelden und epischen Weltrettungs-Szenarien einfach nicht vorbei.


Nach vielen mehr schlecht als rechten Superhelden-Filmen und Serien-Adaptionen von denen ich am Rande mitbekam, war DAREDEVIL nur eine weitere Serie, die sich in meinen Augen bei Titeln wie FLASH, GOTHAM, ARROW und AGENTS OF SHIELD einreihen würde. Allesamt Serien, die ich nicht weiterverfolgt habe, da entweder kein Interesse meinerseits vorhanden war und/oder es vernichtende Kritiken gab. Dennoch stach DAREDEVIL aus dem Einheitsgrau als eine Netflix-Produktion hervor. Netflix – für mich oftmals ein „Prädikat: besonders wertvoll“. So schaute ich mir den Trailer zum Aushängeschild des US-Streamingriesen an. Und was soll ich sagen: ich war „angeflixt“ und freute mich auf den Serienstart.

Daredevil – das ist Matt Murdock (Charlie Cox). Ein blinder Rechtsanwalt, der im New Yorker Problemviertel Hell’s Kitchen aufwächst und nachts auf Verbrecherjagt geht. Murdock erblindete im Alter von 9 Jahren bei dem Versuch einen alten Mann vor einem Lastwagen zu retten. Es kam zu einem Unfall, bei dem er und andere Passanten mit einer radioaktiven Chemikalie in Berührung kamen. Seit jeher sind trotz des Handicaps alle seine Sinne übernatürlich geschärft.
Als frisch gebackener Advokat gründet Matt mit seinem besten Freund Foggy (Elden Henson) eine Anwaltskanzlei in eben diesem Viertel, um den Ort ihrer Kindheit ein Stück besser zu machen.
Gleich zu Beginn nehmen die beiden einen „pro bono“ Fall an. Die Baufirmenangestellte Karen Page (Deborah Ann Woll) wird neben ihrem toten Kollegen in ihrer eigenen Wohnung aufgefunden. Alles deutet auf sie als Täterin hin. Sie beteuert jedoch ihre Unschuld. Murdock glaubt ihr und ist von ihrer Unschuld überzeugt. Karen, der zuvor aus Versehen ein geheimes Dokument in die Hände fiel, vermutet einen Komplott, wird jedoch aus Mangeln an Beweisen und einer Verschwiegenheitspflicht auf freien Fuß gesetzt. Sie arbeitet fortan aus Dankbarkeit als Sekretärin für die Kanzlei. Nach und nach kommen die Drei einem Untergrundnetzwerk in Hell’s Kitchen auf die Spur, welches aus Vertretern der chinesischen, japanischen und russischen Mafia besteht. Der Kopf der Unternehmung ist der ominöse Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio).

DAREDEVIL ist brutal, blutig, brachial. Die düstere und pessimistische Stimmung der Serie nimmt den Zuschauer gefangen und wirkt beklemmend. Nie war ein Superheld so menschlich – so verletzlich und bodenständig. Dazu trägt maßgeblich der begrenzte Handlungsraum in eben nur einem Stadtviertel bei. Es geht bei den Heldentaten endlich nicht mehr darum, die ganze Menschheit zu retten, sondern „Nachbarschaftshilfe“ zu leisten und seine Umgebung sauber zu halten. Auch Daredevils „Rüstung“ – ein schwarzer, legerer Zweiteiler mit Stoffmaske - ist ein Understatement verglichen zu den gewohnt pompösen high-tech Rüstungen und Anzügen der heutigen Superhelden.
Es bestechen vor allem die großartigen schauspielerischen Leistungen von Charlie Cox und Vincent D’Onofrio. Cox zeigt hier eine sehr überzeugende Performance als Blinder und liefert durch gute Kampfszenen und Choreografien ab. Mit Vincent D’Onofrio alias Wilson Fisk erlebt man als Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle. Selten gab es einen solch interessanten und vielfältigen Bösewicht mit einer so spannenden Hintergrundstory.
Und auch etwas Kitsch darf natürlich nicht fehlen, wenn auch richtig dosiert. So knistert es sowohl zwischen Karen und Murdock als auch zwischen ihm und der Krankenschwester Claire (Rosario Dawson), die ihn eines Nachts halbtot in einem Müllcontainer findet und ihn von nun an verarztet.

Als Nicht-Comicleser fällt der Einstieg in die Serie zunächst schwer. Gibt man sich jedoch dem düsteren, aber atmosphärischen Setting von DAREDEVIL hin, kommt man definitiv auf seine Kosten.
Trotz starker Mitte, driftet die Serie gegen Ende dann leider doch zu sehr in Richtung der üblichen Superhelden-Klischees ab. Es gibt einen mehr oder weniger spektakulären „Boss-Endkampf“ und auch das zuvor so erfrischend sympathische schwarze Outfit wird gegen einen unkaputtbaren roten engen Anzug eingetauscht. Ich hoffe sehr, dass sich dieser Trend in der 2. Staffel nicht fortsetzt, DAREDEVIL zu seinen bisherigen Stärken zurückfindet und mit einem etwas weniger vorhersehbaren Plot zurückkehrt.
Generell erinnert DAREDEVIL teilweise an Sin City – kein Wunder, Frank Miller war an beiden Comicvorlagen beteiligt. Doch die kursierende Behauptung, dass Marvel hier versucht DC’s Batman nachzueifern kann ich nicht bestätigen. Natürlich gibt es einige unbestreitbare Parallelen – Batman wirkt jedoch um einiges „protziger“.

Letzten Endes hat mich die Serie mehr als positiv überrascht. Vor allem Comicfreunden kann ich die Serie wärmstens ans Herz legen, auch wenn ich die Umsetzung der Vorlage nicht vergleichen kann. Für die Zartbeseelten unter euch, die kein Blut sehen können, rate ich jedoch eher von DAREDEVIL ab, da es teilweise Szenen gab, bei denen auch ich lieber weggesehen habe. Nichts desto trotz mochte ich das düstere Setting und auch die Performance von Cox und D’Onofrio haben mich sehr überzeugt. Daher freue ich mich schon auf Staffel 2 der Netflix-Produktion.


Suchtfaktor: 70 %


Was haltet Ihr von Superhelden-Adaptionen? Gibt es für euch nur DC ODER Marvel oder verschmelzen beide Comicuniversen für euch?



Titel:                 Marvel's Daredevil 
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 12
Idee:                Drew Goddard
Cast:                Charlie Cox, Deborah Ann Woll, Elden Henson, Vincent D’Onofrio,
                                 Rosario Dawson
Produktionsland:      USA
Länge:              144 Minuten
Verfügbar auf:       Netflix




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