27. Januar 2016

REVIEW: Die Frau in Gold (2015) - "Erinnerungen sind Gold wert"

  
der cineast Filmblog Die Frau in Gold Helen Mirren und Ryan Reynolds
© Squareone Entertainment

Was soll ich sagen – mit Kunstgeschichte auf großer Leinwand kriegt man mich irgendwie immer. So auch bei DIE FRAU IN GOLD. Neben der Thematik bzgl. des österreichischen Malers Gustav Klimt, der zu meinen Lieblingskünstlern zählt, freute ich mich besonders auf den hochkarätigen Cast. An der Seite einer gewohnt starken Helen Mirren, sind auch wieder Export-Schlager Daniel Brühl und Ryan Reynolds mit von der Partie.

Maria Altmann (Helen Mirren), eine ältere, sehr elegante Dame, lebt in Los Angeles und führt als Boutiquen-Besitzerin ein beschauliches Leben. Ihre Vergangenheit ist jedoch sehr bewegt – nach der Enteignung ihrer Familie musste Maria, gebürtige Bloch-Bauer, als junge Jüdin ihre Heimat Wien 1938 im Zuge des NS-Regimes verlassen und nach Amerika fliehen.
Nach dem Tod ihrer Schwester Luise, erfährt sie, dass sie die rechtmäßige Erbin einer Reihe an Gemälden ist. Allesamt gemalt von Gustav Klimt, einem der berühmtesten Jugendstil-Maler und von unschätzbarem Wert. Darunter auch die „Goldene Adele“, die Mona Lisa Österreichs, ein Portrait ihrer geliebten Tante Adele.
Der Zeitpunkt scheint günstig – Ende der 90er Jahre, der Zeitpunkt der Handlung, treibt Österreich die Restitution (die Rückgabe unrechtmäßig entwendeter Besitztümer) voran und rollt alle eingereichten Fälle erneut auf. Maria engagiert den unerfahrenen, aber engagierten Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds), ebenfalls aus einer alt-österreichisch jüdischen Familie stammend.

Guten Tag, wir verklagen den Staat Österreich

So verschlägt es das ungleiche Duo nach Wien, wo Maria sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellt. Dort treffen sie den österreichischen Journalisten Hubertus Czernin (Daniel Brühl), der seine Hilfe bei der Recherche anbietet und sich mit seinen Kontakten als nützlicher Unterstützer herausstellt. . Doch schnell wird klar: die Österreicher wollen Maria keineswegs ihre „Goldene Adele“ überlassen, die im Wiener Museum Belvedere hängt und zahlreiche Postkarten und Tassen ziert.
So wird, trotz erdrückender Beweislage, ihr Antrag auf Restitution abgelehnt. Gedemütigt und hoffnungslos will Maria aufgeben, doch Randy legt eigenmächtig Klage gegen den Staat Österreich ein. Die Underdogs finden sich in einer schier ausweglos erscheinenden David-gegen-Goliath Situation wieder. Ein jahrelanger Kampf um Recht, Wiedergutmachung, Herkunft und den persönlichen Wert von Dingen über alle Ländergrenzen hinweg beginnt.

Ich wollte nie wieder hierher kommen

DIE FRAU IN GOLD ist ein emotionaler Film, der das thematisch so ausgeschlachtete Dritte Reich unter einem gänzlich anderem Gesichtspunkt beleuchtet: Nazi-Raubkunst. Regisseur Simon Curtis (MY WEEK WITH MARILYN) hat auch hier eine wahre Begebenheit zum Anlass genommen, um weniger ein Portrait  als den Leidensweg einer historischen, wenn auch weniger prominenten, Dame zu umreißen.
Es ist Hellen Mirrens Film. Ihre Darstellung der charmanten aber starrsinnigen Maria Oldman trägt den gesamten Film. Ryan Reynolds Performance ist hier leider eher enttäuschend, denn man mag ihm nicht so recht den „Normalo“ bzw. engagierten Gutmenschen abkaufen. Auch der deutsche Exportschlager Brühl, kommt in der Rolle des österreichischen Journalisten Czernin kaum zum Zug und besitzt wie fast alle Charaktere wenig Tiefgang. Ebenfalls schade ist, dass allem Anschein nach die Anfangsszene in der Gustav Klimt Adele porträtiert sehr stark gekürzt wurde – so könnte dem ein oder anderem Zuschauer entgangen sein, dass es sich bei dem vollbärtigen Meme um Moritz Bleibtreu handelt.

Meine Tante Adele - eine Frau, die mit mir über das Leben sprach

DIE FRAU IN GOLD strotzt nur so vor Pathos, was dem ein oder anderem bitter aufstoßen mag. Und auch ohne ordentlichen Schmelz kommt der Film nicht aus. Hans Zimmers gewohnt streicherschwangerer Score trägt sein Übriges dazu bei. Durch ausgiebige Rückblenden wird Marias Leben von 1938 bis zur Flucht aus Deutschland und ihrer Ankunft in den USA illustriert. Dabei kommen die ausgeblichenen Filmsequenzen leider nicht über das Niveau eines gehobenen deutschen Fernseh-Mehrteilers à la DAS ADLON etc. hinaus. DIE FRAU IN GOLD erinnerte mich in seiner Figurenkonstellation etwas an Stephen Frears’ PHILOMENA: ältere starrsinnige aber sympathische Dame meets motivierten Jungspunt.
Der Film ist in seiner Handlung sehr vorhersehbar. Dennoch schafft es DIE FRAU IN GOLD uns in ein Paragraphen-Schlachtfeld quer durch die Welt zu entführen. Man fiebert dem Ende entgegen und durchleidet mit Maria alle Höhen und Tiefen – ob Gegenwart oder Vergangenheit. Dabei verströmt der Film trotz der Thematik eine angenehme Leichtigkeit. Den Kinosaal verlässt man nicht ohne Kloß im Hals, trübseligen Gedanken oder dem Gefühl von Verständnislosigkeit - und das obwohl man hier und da das ein oder andere Tränchen verdrückt.

Es ist ein juristischer Roadmovie durch die Geschichte geworden, der zwischen Fakt und Fiktion wandelt. Wer eine detailgetreue und wahrheitsgemäße visuelle Aufarbeitung des Falls sucht ist mit diesem Film eher falsch beraten. Hier empfiehlt sich ggf. ein Blick auf die Dokumentation STEALING KLIMT. Letzten Endes ist die DIE FRAU IN GOLD ein interessanter Film für all diejenigen, die sich für Kunstgeschichte und das Thema des Dritten Reiches unter einem neuen Deckmantel begeistern können.


6 / 10



Titel:                Die Frau in Gold (Woman in Gold)
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 6
Regie:              Simon Curtis
Cast:               Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Katie Holmes, Tom Schilling
Produktionsland:      Großbritannien, USA
Länge:              109 Minuten
Verfügbar auf:       Blu-Ray, DVD




Kommentare

  1. Leider tappt der Regisseur sehr in die Kitschfalle, da bin ich ganz deiner Meinung. Das ist ja leider gerne bei Biopics so, dass da ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt wird. Helen Mirren war gewohnt stark, Ryan Reynolds hat mich enttäuscht (war mal sehr präsent, dann wieder sehr zurückhaltend) und einige deutschsprachige Schauspieler mussten mal wieder Nazis spielen. Manchmal habe ich sowieso das Gefühl, dass deutsche Schauspieler immer Nazis spielen müssen oder ist das nur der subjektive Eindruck? Und falls mich mein Eindruck nicht trügt, steht die Frage im Raum: Warum? Als späte Rache? Interessantes Thema, wenn ich mit meinem "Roman" über das Fansein fertig bin (ist im Moment in Arbeit), dann wäre das doch mal einen Kommentar wert. :)

    Hier meine Review zum Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/05/03/woman-in-gold-omu-2015/

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    1. Ich schätze US-Produktionen möchten mit deutschen Schauspielern als Nazis besonders "authentisch" sein.
      Interessantes Thema hast du dir für deine Arbeit ausgesucht - würde ich gerne mehr drüber erfahren! Vielleicht ergibt sich das ja mal :)

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