24. Januar 2016

REVIEW: Joy - Alles außer gewöhnlich (2015) - "Die Evolution der Zikade"

  
der cineast Filmblog Joy Alles außer gewöhnlich
© 20th Century Fox

Halbbiografisch kommt Regisseur David O. Russell mit seinem neuen Film JOY daher. Nach SILVER LININGS und AMERICAN HUSTLE ist es bereits die dritte Zusammenarbeit mit seinem Musen-Duo Jennifer Lawrence und Bradley Cooper. In dem Film dreht es sich um die teils frei interpretierte Lebensgeschichte von Joy Mangano, die in den 90er Jahren den „Miracle Mop“ erfand und diesen erfolgreich über den TV Sender QVC vertrieb.

Joy (Jennifer Lawrence) hat als Jahrgangsbeste die Highschool abgeschlossen und einen Studienplatz an einer heißbegehrten Eliteuniversität ergattert. Doch aus letzterem wird nichts, da sich die junge Frau um ihre Mutter Carrie (Virginia Madsen) kümmern möchte, die sich nach der Scheidung von ihrem Mann im Selbstmitleid suhlt. Zurückgezogen in einem Zimmer im Haus ihrer Tochter, gibt sie sich ihrer Traumwelt, den TV-Seifenopern, gänzlich hin.
Schon als Kind war JOY eine begnadete Bastlerin und beflügelt von einem enormen Maß an Fantasie. So entwickelte sie später auch ein Hundehalsband mit Schnellverschluss und Flohschutz, für das ihre orientierungslose Mutter jedoch kein Patent beantragte und das nun von einer anderen Firma vertrieben wird. Die erste verpasste Chance auf Erfolg in Ihrem Leben. Denn Joy hat bereits als kleines Mädchen den Traum Erfindungen zu machen, die jedermann kaufen kann. Doch dieses Ziel rückt über die Jahre in weite Ferne.

Wie ein Phoenix aus der Asche

17 Jahre später findet sich Joy als Hausfrau und Mutter zweier Kinder wieder. Ihr Ex-Mann Tony (Édgar Ramírez) lebt trotz Scheidung im Keller ihres Hauses genauso wie ihre Großmutter Mimi, die sie immer wieder an sie glaubt und ihren Erfindertum befeuert.
Als dann noch ihr Vater (Robert De Niro) von seiner Lebensgefährtin vor die Tür gesetzt wird, nun ebenfalls zu ihr ziehen will und sie auch noch ihren Job verliert, ist das Maß voll.
Eine neue Freundin für den Vater und damit eine Bleibe ist schnell gefunden. Nach einem Malheur während eines Segelturns mit Trudy (Isabella Rossellini), der wohlhabenden Angebeteten ihres Vaters, kommt Joy auf die Idee, einen sich selbst auswringenden Mopp zu entwickeln. Beschwerlich schafft sie es ihre Familie und vor allem Trudy als Investorin für ihre Idee zu gewinnen. Doch so richtig will sich ihr Wundermopp nicht verkaufen und Joy droht in Schulden zu versinken. Das Blatt scheint sich zu wenden, als sie vom gewieften Marketer Neil Walker (Bradley Cooper) die Chance bekommt, ihr Produkt im aufstrebenden TV Sender QVC zu präsentieren. 

Nur das, was du selber machst, bleibt

JOY ist ein riesiges Tohuwabohu. Rückblenden, Rückrückblenden – vor, zurück und wieder in die Gegenwart. Zeitweise wird einem richtig schwindlig dabei, was durch die Überladenheit an Charakteren noch verstärkt wird. Beinahe jede Figur wird eingehend studiert, wodurch der Film dann auch zunehmend recht langatmig wird. Doch in dieser Gefühlsebene scheint sich auch das Leben der Protagonistin abzuspielen. Joy möchte es jedem recht machen – bleibt dabei selbst jedoch auf der Strecke. Genau wie die Hausfrau und Mutter ist der Zuschauer heillos überfordert mit der Situation.
Der Film kommt sehr amerikanisch daher mit seiner Geschichte der „Selfmade Woman“ – und lädt in der Tat zum Träumen ein. Ein jeder kann sich in dem Kind wiederfinden, das Träume hatte, die durch den Teufel Alltag über die Zeit in Vergessenheit gerieten.
In JOY findet ständig die Seifenoper der Mutter Platz – diese eröffnet ebenfalls auf eine bizarre und unverknüpfte Art und Weise den Film. Das Thema zieht sich durch den gesamten Film  - ob nun in merkwürdigen Albträumen oder eingestreuten Sequenzen – dieses Sinnbild, das sich wie ein roter Faden durch das Drehbuch zieht, ergibt schlichtweg wenig Sinn.
Dennoch, man leidet, fiebert und zittert mit Joy, wenn sie Rückschläge einstecken, Stereotypen und Rollenbildern trotzen muss.
Jennifer Lawrences Performance lässt alle anderen verblassen. Gegebenenfalls kann sich hier und da Édgar Ramíres als einfühlsamer aber chaotischer Ex-Ehemann behaupten. Besonders Bradley Cooper wird recht stark in den Hintergrund verdrängt und verkümmert in einer abgeschlagenen Nebenrolle, schade eigentlich - er hätte durchaus mehr Potential gehabt.

Letzten Endes ist JOY ein modernes Mädchen, inklusiver böser Stiefschwester, über eine Hausfrau geworden, die den American Dream lebt. Trotz seiner Längen ist der Film definitiv sehenswert für alle JLaw, Cooper und Daniel O. Russel Fans. Dennoch kann JOY beispielsweise in seinem Facettenreichtum und Charme anderen Werken O. Russels wie AMERICAN HUSTLE keinen Falls die Stirn bieten. 


6,5 / 10



Titel:                Joy - Alles außer gewöhnlich (Joy)
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              David O. Russel
Cast:               Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert de Niro, Édgar Ramíres, Diane Ladd
Produktionsland:      USA
Länge:              124 Minuten
Kinostart:            31. Dezember 2015




1 Kommentar

  1. Ich fand die Story auch sehr überladen und die vielen Rückblenden und so weiter sollten dem Film offenbar eine künstlerische Note geben. Doch die wäre gar nicht nötig. Man hätte einfach nur die Geschichte chronologisch erzählen sollen, dann hätte der Film viel besser gewirkt.

    P.S. Wo du meine JOY-Review findest, weißt du ja inzwischen. ;-)

    AntwortenLöschen

Popular Posts

Instagram

Facebook