14. Februar 2016

REVIEW: The Boy (2016) - "Ein Albtraum aus Porzellan"

  
der cineast Filmblog The Boy Essen mit einer Puppe
© Capelight

Was haben Puppen nur an sich, das sie so für das Horror Genre prädestiniert? Chucky, Slappy, Annabelle … egal wie sie auch heißen mögen, von Puppen geht etwas Unheimliches aus. Dieses Motiv nutzt auch der neue Horror-Thriller THE BOY für sich, in dem sich eine abgelegene Villa mit Türmchen und Erkern zu einem überdimensionalen, unheilvollen Puppenhaus entwickelt.

Die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan) reist nach England um ihrem Leben in den USA zu entfliehen. Hier soll sie eine Stelle als Nanny für einen 8-jährigen Jungen namens Brahms antreten. Ihre Arbeitgeber sind das ältere Ehepaar Heelshire (Jim Norton, Diana Hardcastle), die in einem abgeschiedenen Herrenhaus leben. Diese wollen nach Ewigkeiten mal wieder wegfahren,  ihren Filius jedoch bestens zu versorgt wissen. Über Jahre hinweg haben die beiden einen minutiösen Tagesablauf für Brahms entwickelt und diesen in strikten Regeln manifestiert. Beim Arbeitsantritt erwartet Greta jedoch eine böse Überraschung: bei dem Jungen handelt es sich um eine Porzellanpuppe! Was Greta zunächst für einen Scherz hält, ist bitterer Ernst. Denn das Ehepaar verlor ihren Sohn vor 20 Jahren bei einem Hausbrand. Jeher hat die Puppe seinen Platz eingenommen.
Eine willkommene Abwechslung verspricht der junge Lebensmittellieferant Malcolm (Rupert Evans), der einmal in der Woche aus dem Ort vorbeikommt und der schönen Frau Avancen macht.
Nach Abreise der Eltern, schert Greta sich nicht weiter um ihre Pflichten. Gemütlich bei Lektüre und Rotwein, lässt es sich die junge Frau zunächst gut gehen. Schon bald bereut sie ihr sorgloses Benehmen, denn das Haus entwickelt ein scheinbares Eigenleben und auch Brahms fordert die gewünschte Aufmerksamkeit ein.

Der will doch nur spielen … oder?

Äußerst atmosphärisch inszeniert Regisseur William Brent Bell in THE BOY einen überraschend schlüssigen Gruselfilm. Die Bürde des Horror-Genres tragend, schafft es der Film aus dem mehr schlechten als rechten Licht hervortreten – stehen Horrorfilme doch oftmals für den Inbegriff schlechter Filmemacherei.
Natürlich kommt auch THE BOY nicht ohne klischeebehaftete Elemente aus: kein Handyempfang, realitätsverzerrte Traumszenen und vereinzelte Jump-Scares finden auch hier Anwendung.
Ansonsten hebt sich THE BOY jedoch durchaus durch seine bildliche Gestaltung ab. Die Geschehnisse spiegeln sich in den glasigen, kalten Augen der Jagdtrophäen, die schleichende Kameraführung, der Blick durch ein Schlüsselloch - ein scheinbar unsichtbarer Dritter umgibt die Protagonistin.
Der Film spielt zunehmend mit den sich entwickelnden Mutmaßungen des Zuschauers: steckt Leben hinter der kalten Porzellan-Fassade? Wird die junge Frau verrückt? Oder ist doch alles anders als man denkt? So kullern der Puppe scheinbar Tränen über das Gesicht – wie sich kurz darauf herausstellt, handelt es sich lediglich um eine undichte Stelle in der Zimmerdecke. Doch wie lassen sich die anderen seltsamen Vorkommnisse erklären?

Puppe mit Ödipus-Komplex

Als ganz besonders interessant entpuppt sich (Wortspiel durchaus beabsichtigt) die Beziehung zwischen Greta und Brahms, insbesondere unter der Berücksichtigung der nach und nach eingestreuten Hintergrundinformationen.
Das größte Manko von THE BOY ist jedoch ganz klar der Suspense Verlauf. Unglaublich zäh, öde und nichts sagend kommt das erste Drittel des Films daher. Die ersten Erwartungen hinsichtlich der mittelmäßigen bis schlechten Horror-Standardkost stellen sich ein, um im durchwachsenen zweiten Drittel ordentlich durchgerüttelt zu werden. Eine Berg- und Tal-Fahrt der Geschehnisse beginnt, wilde Spekulationen dominieren. Doch dann setzt THE BOY mit seinem guten, für mich nicht vorhergesehenen Twist zu einem starken Finale an, das sich auch im Nachhinein in meinen Augen als recht schlüssig erweist.

Ich war von THE BOY durchaus positiv überrascht, nicht ohne Grund schaffte es der Film zunächst nicht in meine Kinovorschau für den Februar. Ein Fehler! Trotz der substituierbaren Schauspielleistungen der Akteure ist THE BOY ein äußerst ansehnlicher Horrorstreifen geworden, der es nur leider versäumt hat von Beginn an das Interesse für das Kommende zu wecken. Daher eine nette Empfehlung für Genre-Fans – gemessen an anderen Filmen, reichte es dann aber doch nicht für mehr.


6 / 10



Titel:                The Boy
Erscheinungsjahr:    2016
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              William Brent Bell
Cast:               Lauren Cohan, Rupert Evans, Jim Norton, Diana Hardcastle
Produktionsland:      USA
Länge:              98 Minuten
Kinostart:                 18. Februar 2016




0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Popular Posts

Instagram

Facebook