27. März 2016

REVIEW: Eddie The Eagle (2016) - "Milch verleiht Flügel"

  
der cineast Filmblog Eddie The Eagle Taron Egerton auf der Piste
© 20th Century Fox

Ab auf die Piste! Am 31. März 2016 kommt EDDIE THE EAGLE in die Kinos. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, auch wenn man hier und da mal mehr, mal weniger kreativ wurde. Es ist die Geschichte des Briten Michael „Eddie“ Edwards, der 1988 olympische Sportgeschichte geschrieben hat. Glückt die Zeitreise in die 80er Jahre oder ist der Film eine Bruchlandung?

Schon als Kind schmökert Eddie in Olympia-Bildbänden und träumt davon selbst einmal Olympionike zu werden. Der handicapte Junge mit einer Knieschiene à la Forrest Gump übt sich früh im Luftanhalten in der häuslichen Badewanne, auch wenn dies keine offizielle Disziplin darstellt. Nachdem seine Schiene abgenommen wird eröffnet ihm dies weitere sportliche Möglichkeiten. Dabei wird er von seiner Mutter unterstützt, die ihm eine Keksdose zur Aufbewahrung seiner künftigen Auszeichnungen schenkt. Doch statt Medaillen häufen sich zunächst hauptsächlich die Bruchstücke seiner Brillengestelle. Dennoch – Eddie lässt sich nicht entmutigen. So packt er oft seine Sachen und läuft zur nahegelegenen Bushaltestelle um sich auf den Weg zu Olympia zu machen. Seine Eltern kennen das schon und immer wieder holt ihn sein von den Flausen des Sohnemanns wenig begeisterter Vater wieder nach Haus. Doch eines Tages entdeckt Eddie die Skiabfahrt für sich. Trotz erster Erfolge im Sport, macht man sich über den mittlerweile jungen Mann lustig – er seie kein Material für Olympia und so schafft er es nicht in die Equipe für 1984. Sein neues Steckenpferd soll der Skisprung werden. Sofort macht sich Eddie ans Werk und reist nach Garmisch-Partenkirchen um sich dort selbst zu trainieren. Dort macht er die Bekanntschaft der in die Jahre gekommene aber gutmütige deutsche Bardirne Petra (Iris Berben), die ihm für eine helfende Hand neben dem Training eine kostenfreie Logie bietet.
Doch statt Rekorde zu brechen, bricht Eddie sich die Knochen. Das soll der zum Pistenwart verkommene Ex-Profiskispringer Bronson Peary (Hugh Jackman) ändern, dessen Hauptnahrungsmittel sich im Innersten eines Flachmanns befindet. Zunächst wenig begeistert vom nervigen Jungspunt, nimmt er sich dann doch dessen an.
Einigen dürfte der Rest bekannt sein: trotz bürokratischem Gegenwind reist Eddie nach Calgary zu den olympischen Winterspielen und katapultiert sich in die Herzen der Massen.

Hartnäckig wie Kaugummi

EDDIE THE EAGLE hatte mich persönlich so gar nicht angesprochen. Ich fand den Trailer furchtbar und wusste: diesen Film werde ich mir ganz bestimmt nicht anschauen. Denn ja, der Film ist ein typischer Feel-Good-Movie und funktioniert im Grunde genommen nach Schema F. Doch in der Sneak Preview sollte ich eines besseren belehrt werden. Taron Egerton, durch seine Rolle in KINGSMAN zum britischen Shootingstar aufgestiegen, ist in seiner Rolle des drolligen Außenseiters nicht zu erkennen.
Egerton schafft es Eddie auf eine genial lustig-dümmliche und doch liebenswerte Art darzustellen ohne, dass sich nur Mitleid beim Zuschauer einstellt.
Weniger gut fügt sich Hugh Jackman in seine Rolle ein. Es ist schwer ihm den verkappten, in Ungnade gefallenen Skifahrer, der zum coolen, amerikanischen Pistencowboy in Deutschland degradiert wurde, abzukaufen. Auch Iris Berben als lüsterner Puma verkommt am Rande als eine deutschsprachige Requisite.

Rise like an eagle

Nichtsdestotrotz schafft es Regisseur Dexter Fletcher in EDDIE THE EAGLE ein liebevoll detailiert-gestaltetes 80er Flair zu erzeugen. Neon-Klamotte, Schnauzer, große Brillen und Synthi-Sounds – das Retro-Feeling ist stimmig und man fühlt sich im Kinosessel wohl.
Auf den ersten Blick scheint es sich bei EDDIE THE EAGLE um einen 0-8-15 Film zu handeln – doch dieser Blick trügt. Vielmehr fiebert man trotz vorhersehbarem Verlauf in den 105 Minuten Laufzeit auf höchstem Level emotional mit. Leider wird im Film ausgeklammert, was aus dem Publikumsliebling nach seiner Zeit im Rampenlicht geschah, doch muss ich hier das Zugeständnis machen, dass dies dem Film wohl die gewünschte Leichtigkeit gekommen hätte.

EDDIE THE EAGLE ist letzten Endes kein Film vom „Fliegen“, sondern die es Hinfallens und Wiederaufstehens. Es ist die Geschichte eines Underdogs mit echtem Sportsgeist, der die Fahne für den olympischen Gedanken wie kein anderer hochhielt: „Dabei sein ist alles!“
Nachdem ich EDDIE THE EAGLE sah konnte ich jedenfalls äußerst beschwingt den Kinosaal verlassen und freute mich sehr über den erfrischenden, filmischen Motivationsschub.


7 / 10



Titel:                Eddie The Eagle
Erscheinungsjahr:    2016
Altersfreigabe:      FSK 0
Regie:              Dexter Fletcher
Cast:                Taron Egerton, Hugh Jackman, Tim McInnerny, Rune Temte, Iris Berben,
                                 Christopher Walken
Produktionsland:      Deutschland, Großbritannien, USA
Länge:               95 Minuten
Kinostart:                  31. März 2016




Kommentare

  1. Also quasi das COOL RUNNINGS der neuen Generation. :)
    Bin trotzdem gespannt - immerhin habe ich dem echten Eddie schon 1988 zugejubelt. :)

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    1. Ja genau! Wobei ich COOL RUNNINGS nicht gesehen habe - aber ich kenne die Geschichte :)
      Mich hat der Film wirklich positiv überrascht! Nach dem Trailer hatte ich eigentlich gar keine Lust auf den Film, da ich von Eddie vorher auch noch nie etwas gehört habe :D

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