13. März 2016

REVIEW: Hail, Caesar! (2016) - "Wäre es doch bloß so einfach"

  
der cineast Filmblog Hail, Caesar! Alden Ehrenreich und Ralph Fiennes
© Universal

Nach INSIDE LLEWYN DAVIS mussten Fans der Coen Brüder drei Jahre auf einen neuen Film des Kult-Duos warten. Mit Glanz und Gloria eröffnete HAIL, CAESAR! die diesjährige 66. Berlinale und konnte mit einem enormen Starfaktor auf dem roten Teppich punkten. Der Film dreht sich um das rege Treiben im glamourösen Hollywood der 50er Jahre. Doch ist der Film auch nur mehr Schein als Sein?

Die Capitol Studios, Hollywood im Jahre 1951. In der Traumfabrik arbeitet Eddie Mannix (Josh Brolin) als Fixer für das fiktive Filmstudio, das heißt er ist ein ranghöheres „Mädchen für Alles“.
Als solches rettet er ein angehendes Starlet, vor kompromittierenden Fotos durch einen zwielichtigen Fotografen, sorgt für passenden Ersatz, wenn ein Schauspieler ausfällt, findet eine Lösung für das uneheliche Kind des divenhaften „American Sweethearts“ des Studios, versorgt die Klatschpresse mit Stories oder wehrt diese ab.
Das alles färbt auf Eddie ab und so wird es zur Berufskrankheit, dass er es so ziemlich allen Recht machen will. Seiner Frau zu liebe möchte er mit dem Rauchen aufhören – doch so ganz kommt er in seinem stressigen Job schwer von seiner Nikotin-Sucht los. Zu dieser Zeit wird an allen Ecken und  zu jeder Gelegenheit gepafft und so findet sich Eddie regelmäßig im Beichtstuhl wieder. Zwischen Tür und Angel versucht ihn auch noch ein Vertreter des Luftfahrt-Konzerns Lockheed abzuwerben.
Doch statt Eddie an einem ganz normalen Tag zu begleiten, geht an diesem speziellen Tag so ziemlich alles falsch, was falsch gehen kann. Besonders nervenaufreibend: der Star des bevorstehenden Monumentalfilms Hail, Caesar!, Baird Whitlock (George Clooney) wird vom Set entführt. Bei den Entführern handelt es sich um eine Gruppe frustrierter, kommunistischer Drehbuchautoren, die sich selbst „Die Zukunft“ nennen. Wird es auch diesmal Eddie gelingen alles wieder zum Guten zu wenden?

Zwischen Hommage und Persiflage

Mit HAIL, CAESAR! bewegen sich die Coen Brüder zwischen einer Verbeugung gegenüber des alten Hollywoods der 50er Jahre und einer im vergilbten Retrolook gehaltenen Parodie eben dessen. Ob biblisches Epos à la BEN HUR, wunderschön anzusehendes, symmetrisches Wasserballett, schwülstiges Melodram im Salondekor, homoerotisch wirkendes Matrosen-Stepp-Musical oder wortkarger Western - kein Genreklichee wird ausgelassen.
Dabei ist sich Clooney nicht zu schade den dümmlichen Helden in Ledersandalette mit Stockholm-Syndrom zu mimen. Auch Swinton als sich selbst übertrumpfendes, doppeltes Klatsch-Aasgeier-Lottchen, Ehrenreich als Lasso schwingender Cowboy oder Johansson als bezaubernd-derbe Zicke sind nett anzuschauen – doch über alle dem steht der Mann des Hintergrunds im Rampenlicht: Josh Brolin, der das Uhrwerk am Laufen hält.

Ein schönes Nichts

In HAIL, CAESAR! werden eben diese Stars leider wie Kanonenfutter verbraten und dienten augenscheinlich einer besseren Vermarktung des Films. Besonders lächerlich: Jonah Hill ist nur in der im Trailer präsentierten Szene zu sehen, auch Scarlett Johansson hat kaum mehr Screentime als zuvor gesehen.
Im Gegensatz zum ebenfalls schwächelnden Vorgänger INSIDE LLEWYN DAVIS besitzt HAIL, CAESAR nicht genug Tiefgang und kratzt lediglich an der Oberfläche. Der Film bietet erneut die gewohnte Liebe zum Detail, versprüht in seiner Absurdität Witz und Charme – von einer intelligenten Gesellschaftskritik oder Satire ist der Film meiner Meinung nach größtenteils vorbeigeschrammt. Abgesehen vom Protagonisten hält einzig und allein die Kidnapping-Story die Handlung als schwacher roter Faden zusammen. Zu bruchstückhaft und trivial reihen sich die Szenen aneinander.

HAIL, CAESAR! kann in vielen Momenten als ein überspitztes, wenn auch nicht präzise gezeichnetes Spiegelbild unserer Zeit verstanden werden. Dennoch gehört der recht massentaugliche Film trotz tollen Looks zu den schwächeren Arbeiten des Regie-Zweiergespanns und bleibt leider weit hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. 


6 / 10



Titel:                Hail, Caesar!
Erscheinungsjahr:    2016
Altersfreigabe:      FSK 0
Regie:              Ethan Coen, Joel Coen
Cast:                Josh Brolin, Alden Ehrenreich, George Clooney, Channing Tatum, 
                                 Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Scarlett Johansson, Jonah Hill
Produktionsland:      USA
Länge:              106 Minuten
Kinostart:                  18. Februar 2016




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