1. März 2016

REVIEW: Spotlight (2015) - "Investigativer Journalismus on point"

  
der cineast Filmblog Spotlight Team
© Paramount

Kindesmissbrauch in kirchlichen Reihen. Heutzutage leider kein ungewöhnliches Thema mehr, das immer wieder die Titelblätter der Zeitungen anführt. Anfang der 2000er war das jedoch anders, als das Recherche-Team des Boston Globe zum ersten Mal die Ausmaße dieser Gräueltaten erfasste und dafür später auch den Pulitzer-Preis, den „Oscar des Journalismus“, erhielt.
6 OSCAR-Nominierungen – davon 2 gewonnen: BESTES ORIGINALDREHBUCH und BESTER FILM! Auch wenn ich bei letzterem auf THE REVENANT tippte, erhielt SPOTLIGHT wohlverdient den renommierten Preis. Warum das so ist, erfahrt ihr hier.

Schon zur Jahrtausendwende begannen die Zeitungen unter der bevorstehenden Digitalisierung zu leiden. Um neuen Wind in den Boston Globe zu bringen, wird Marty Baron (Liev Schreiber) als neuer leitender Chefredakteur bei dem Blatt eingestellt. Von ihm erhält das Investigativ-Team der Zeitung, auch Spotlight genannt, den Auftrag sich einem Fall von Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche anzunehmen. Unter der Leitung von Walter „Robby“ Robinson (Michael Keaton) beginnen er und seine Kollegen Michael Rezendes (Mark Ruffalo), Sacha Pfeiffer (Rachel McAdams), Matt Carroll (Brian d’Arcy James) und Ben Bradlee jr. (John Slattery) mit den Nachforschungen.
Zunächst von einem Einzelfall ausgehend, kommen die Reporter schon bald einem immer größer werdenden Skandal auf die Schliche: dutzende Priester haben über Jahre hinweg Kinder unter dem Deckmantel der Kirche missbraucht. Auch Würdenträger der Stadt Boston sahen tatenlos zu oder vertuschten sogar aktiv die Vorkommnisse. Doch das Sammeln von Beweisen gestaltet sich als schwierig. Täter und Opfer haben eine Mauer des Schweigens errichtet; die Kirche hält durch involvierte Anwälte die wenigen, vorhandenen Unterlagen unter Verschluss. Ein Machtspiel zwischen der Institution Kirche und der Medien beginnt.

Von wegen Lügenpresse

Von Tom McCarthys Newsroom-Drama SPOTLIGHT geht ein unumgänglicher Sog aus, der den Zuschauer mitreißt. Das Problem des priesterlichen Missbrauchs an Kindern ist mittlerweile bekannt – nichtsdestotrotz schafft es der Film das Publikum stets mitfiebern zu lassen.
Dabei ist SPOTLIGHT von der Aufmachung her wenig spektakulär und herrlich unaufgeregt. Mit chirurgischer Präzision werden die Rolle und die Bedeutung der Kirche für die Bevölkerung und die daraus resultierenden Motive herausgearbeitet. Dabei maßt sich der Film jedoch zu keiner Zeit an, einen Glaubenskrieg zu führen - viel mehr steht die ethische Integrität der Journalisten und die Liebe zur Wahrheit im Vordergrund.
Darüber hinaus erfährt der Zuschauer nur das Nötigste über die Protagonisten und ihren persönlichen Background - der Fokus liegt eindeutig auf dem journalistisches Schaffen dieser unidealisierten „Alltags-Helden“.
An dieser Stelle ist ganz besonders der starke, äußerst harmonisch agierende und authentisch wirkende Cast lobend zu erwähnen. Meiner Meinung nach liefert Mark Ruffalo in SPOTLIGHT seine bis dato beste Performance ab, aber auch Rachel McAdams sticht hier heraus.
Hinzu kommt, dass durch die hochkarätige Besetzung dem Thema Missbrauch im Rahmen der Kirche, eine stärkere Stimme verliehen und diesem Tabu-Thema eine erhöhte Aufmerksamkeit zu Teil wird.

Es hätte jeden von uns treffen können

Der Film erlaubt uns einen recht ungeschönten Blick hinter die Fassade der „Lügenpresse“ zu erhaschen und zeigt, wie wichtig der Journalismus bis heute ist.
SPOTLIGHT mag einen eher kleinen Unterhaltungswert, dafür jedoch einen Bildungsauftrag haben: uns das Geschehene eindringlich vor Augen zu führen.
Während des Films huschte mir hier und da ein Grinsen über das Gesicht oder der Film entlockte mir ein kurzes Lachen. Diese formten sich jedoch rasch eher zu einem grimassenhaften Verziehen meines Mundes, zu schrillen, verzweifelten Tönen der Fassungslosigkeit mit einher gehendem ungläubigem Kopfschütteln. Dies gipfelte gegen Ende des Films dann in einem deutlich spürbaren, körperlichen Unwohlsein, das sich im Kinosessel breit machte.
Doch wie hoch die Wellen schlugen, die das Spotlight-Team zu ihrer Zeit lostraten, wird leider weniger behandelt. Lediglich im Abspann, unter Einblendung von Städtenamen mit ähnlichen Vorkommnissen, lassen sich die weltweiten Ausmaße der Enthüllungsstory erahnen.

SPOTLIGHT ist einer dieser Filme, die uns gut tun. Nicht auf eine französischen Feel-Good-Movie Weise - der Film rüttelt auf, ruft die Thematik ins Gedächtnis und schafft ein Bewusstsein für die Problematik, die ein jeder von uns doch viel zu oft verdrängt.
Kurzum: SPOTLIGHT ist ein wichtiger Film, einer, den wir brauchen und auch verdienen. In Zeiten von Begriffen wie „Lügenpresse“ und dem Misstrauen gegenüber den Medien, zeigt der Film so aktuell wie kaum zuvor welche Macht die vierte Gewalt bis heute besitzt und davon Gebrauch macht - auch zum Vorteil der Bevölkerung.


8,5 / 10



Titel:                Spotlight
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 0
Regie:              Tom McCarthy
Cast:                Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, Marty Baron,
                                 John Slattery, Stanley Tucci 
Produktionsland:      USA
Länge:              128  Minuten
Kinostart:                  25. Februar 2016




0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Popular Posts

Instagram

Facebook