17. April 2016

REVIEW: Kill Your Friends (2015) - "British Psycho"

  
© Ascot Elite

KILL YOUR FRIENDS feierte im Zuge des letzten Fantasy Film Fest Premiere, wo ich ihn verpasst hatte. Trotz Starbesetzung mit Nicholas Hoult, Ed Skrein, James Corden, Tom Riley und Moritz Bleibtreu hat es für die Bestsellerverfilmung des gleichnamigen Buches von John Niven leider nur für ein Direct-to-DVD gereicht. Wurde der Film zu Recht damit „abgestraft“?

„A couple words of advice for all you hopefuls in unsigned bands. F*** OFF.“ Steven Stelfox (Nicholas Hoult) ist ein ziemliches Arschloch. Im London der 90er Jahre ist dieser als A&R Manager (Artists & Repertoire) beim Plattenlabel „Unigram“ tätig. Die britische Musikindustrie boomt, Britpop-Bands wie Blur, Oasis und The Verve oder Girl-Groups wie die Spice Girls feiern weltweite Plattenerfolge - dabei interessiert sich der Endzwanziger herzlich wenig für Musik. Viel lieber feiert er wilde Partys oder uriniert auf seinen im Drogenrausch am Boden liegenden Kollegen Waters (James Corden), der zuvor noch in Boxershorts auf dem gläsernen Couchtisch tanzte und anschließend zu einem auf allen Vieren kriechenden Hund mutiert, der auf CDs herumkaut.
Im legeren schwarzen Mantel, Sonnenbrille und dem Coffe-to-go Becher in der Hand stolziert Steven, der sich selbst als „Auserwählter“ bezeichnet, morgens ins minimalistisch-stylische Büro. Er lebt ein Leben zwischen Jet-Set, Drogen und dem Umgang mit den Diven, Möchtegern-Künstlern, wahren Talenten und gefallenen Engeln des Musikbusiness. Doch er weiß wie das Business läuft und begibt sich im Haifischbecken auf die Suche nach musikalischen Brotkrumen – den Hits von morgen. Einen solchen Hit vermutet Steven im sexistischen Europop-Song des prolligen Vokuhila-Trägers Rudi (Moritz Bleibtreu), doch dieser erweist sich schnell als Flop für das Label. Schon bald beginnt der Kampf um die Veganer-Indie-Band The Lazzies. Doch als Stelfox nicht nur einmal bei einer Beförderung übergangen wird, verliert er die Fassung und beseitigt seine Rivalen. Zunächst scheint er damit davon zukommen, doch sein eigenes Ego steht Steven im Weg und seinen Aufstieg auf der Karriereleiter zieren immer mehr Blutspuren.

Pillenparty & Klo-Kasaschock

Koks, Nutten und Musik so lässt sich KILL YOUR FRIENDS wohl kurz zusammenfassen. Doch wenn ich mir Nicholas Hoult so ansehe, sehe ich noch immer den Enten-tot-Schmeißer aus ABOUT A BOY und den erst kürzlich zum War Boy mutierten Typen aus MAD MAX: FURY ROAD.
Der blasse schlaksige Schauspieler begeht bei seiner Verkörperung des chauvinistischen Karriereschweins Steven Stelfox eine Gratwanderung. Einerseits die gelungene Darstellung des junkiehaften Snobs, der, die vierte Wand durchbrechend, in feinster Frank Underwood Möchtegern-Manier bissige Kommentare zu den Geschehnissen abgibt. Andererseits umgibt ihn jedoch noch stets eine gewisse jungenhafte Sanftheit.
In KILL YOUR FRIENDS macht Hoult nicht nur die Speedo wieder salonfähig, sondern betritt auch seinen ganz eigenen „bushido“ – den Weg des Kriegers durch die Musikbranche und schifft sich gekonnt durch deren Dekadenz und Hedonismus. Sein einziger Begleiter während des karriereorientierten sozial-Amoklaufs (abgesehen vom Kokain) ist das Buch mit dem passenden Titel: „Unleash Your Monster“. Dabei besteht Stevens „Anger Management“ darin alle ihm geläufigen Begriffe für Koks aufzuzählen.

Correctos!

KILL YOUR FRIENDS will gemäß der Buchvorlage mit der Musikbranche der 90er Jahre abrechnen und versucht sich in bitterböser Kritik einer Parallelgesellschaft. Dabei kommt der Film meiner Meinung nach einige Jahre zu spät. Darüber trösten auch nicht die treibenden Beats, Bässe und Acid-Longdrinks oder etwaige epileptische Anfälle hinweg, die die Story nicht vorantreiben zu vermögen.
Ein Highlight neben den amüsanten Nebenrollen von Bleibtreu und des Late-Night-Show Hosts Corden, ist natürlich der Soundtrack, was sich bei einem Film über die Musikbranche jedoch von selbst verstehen sollte – aber nicht unerwähnt bleiben will. Hier geben sich The Prodigy, Blur, Oasis oder Radiohead die musikalische Klinke in die Hand.

Letzten Endes ist KILL YOUR FRIENDS nicht mehr und nicht weniger als ein gutes Best-Of-Album oder die B-Seite namenhafter Vorgänger wie AMERICAN PSYCHO oder auch THE WOLF OF WALLSTREET. Dabei ist der Film mit dem irreführenden Titel (es gibt schlichtweg keine Freunde) jedoch weder Fisch noch Fleisch: für eine Satire nicht böse und witzig genug, für einen Thriller nicht spannend genug und für eine Branchenkritik zu veraltet. Insgesamt solide – kann man sich definitiv mal angucken, muss man aber nicht.


6,5 / 10



Titel:                Kill Your Friends
Erscheinungsjahr:    2015
Altersfreigabe:      FSK 16
Regie:              Owen Harris
Cast:                Nicholas Hoult, Ed Skrein, James Corden, Rosanna Arquette, Tom Riley,
                                 Craig Roberts, Moritz Bleibtreu
Produktionsland:      Großbritannien
Länge:               103 Minuten
Verfügbar auf:           Blu-Ray, DVD




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