1. Juni 2016

REVIEW: Everybody Wants Some!! (2016) - "Die letzte Leichtigkeit"

  
der cineast Filmblog Jake lässig im Muscle-Car
© Constantin Film

Man könnte fast meinen, dass die Geschichte von Mason, der vor laufender Kamera vom Kind zum jungen Mann heranreift,  gedanklich weitergeführt wird – jedoch in einer anderen Epoche, die der frischen 80er. Nach dem Mammutprojekt BOYHOOD, bei dem er den natürlichen Alterungsprozess der Filmcrew über 12 Jahre einfing, kehrt Regisseur Richard Linklater mit seinem neuen Film EVERYBODY WANTS SOME!! zurück, scheinbar ein Herzensprojekt.

Die noch schwarze Leinwand. Einsetzende Drums. Gitarren-Riffs. Ein himmelblaues Muscle-Car, scheinbar durch die aus dem Radio wummernden Töne vorangetrieben. In diesem Auto sitzt der angehende College-Student und Baseball-Spieler Jake (Blake Jenner) auf seinem Weg in einen neuen Lebensabschnitt. Der Weg zu seinem neuen Heim führt ihn vorbei an College-Schönheiten in knappen Hot-Pants und sommerluftigen Kleidern. Viel hat er nicht dabei. Eine Tasche und eine Kiste voller LPs. Die nächste Zeit wird sich der junge Sportler eines der zwei heruntergekommenen Häuser mit seinen angehenden Team-Kameraden teilen. Dabei steht Jake als Pitcher, also Werfer, gleich zu Anfang unter keinem guten Stern – ist diese Position im Team doch eher verpönt. Nichtsdestotrotz wird Jake von seinen Kameraden sofort zu einer spontanen Spritztour durch die Gegend eingeladen – vorbei an Studentenverbindungen und Wohnheimen voller schöner Mädchen. Auch danach brechen die Teamkollegen zu regelmäßigen Trinkgelagen auf und begeben sich dabei regelmäßig auf die Balz – mal mit mehr mal mit weniger Erfolg. Die Vorbereitungen auf das in drei Tagen bevorstehende Semester stehen auf der Prioritätenliste der vor Testosteron-strotzenden Männer eher weiter hinten. Es folgen Hahnenkämpfe, fragwürdige Team-Building Maßnahmen und die Identitätsfindung. In dieser neuen, verrückten Zeit erblüht zeitgleich eine zarte Romanze zwischen Jake und der Schauspielstudentin Beverly (Zoey Deutch), die so ganz anders zu sein scheint als das sonstig umworbene „Frischfleisch“. Doch irgendwann holt auch die jungen Wilden die Melancholie des Montags ein und der Ernst des Lebens beginnt.

Countdown zum Erwachsen-Werden

Inserts zählen während des Films die Zeit bis zum Semesterbeginn herunter. Mit der ersten Vorlesung endet der Film. Im Prinzip gewährt uns EVERYBODY WANTS SOME!! somit den Einblick in einen Lebensabschnitt, den man Jahre später als "die beste Zeit meines Lebens" betiteln wird. Ob daraus Freundschaften fürs Leben entstehen steht in den Sternen - genug Stoff für Anekdoten bei einem erneuten Aufeinandertreffen gibt es jedoch allemal. In EVERYBODY WANTS SOME!!, der - anders als der einige Jahre später spielende, zuvor in den Kinos gestartete, SING STREET - Anfang der 80er spielt, sind die 70er noch allgegenwärtig - siehe Schlaghosen und Disco-Sound. Dabei schwelgt der Regisseur merklich in seiner Jugend, jedoch ohne dabei zu pathetisch zu wirken. Linklater versucht die Leichtigkeit der „College-Bumms-Mentalität“ gegen Ende zunehmend in eine Suche nach der eigenen Identität münden zu lassen. Wer wollen wir sein? Was heißt es jung zu sein? Welche Ängste umtreiben einen und welche Konflikte brodeln unter der Oberfläche hinter der Fassade der Unbekümmertheit? Emotionale Höhepunkte werden allerdings umschifft und dem großen atmosphärischen Ganzen geopfert. Stellenweise wirkt der Film daher eher wie ein pseudo-tiefgründiger Kumpel-Talk auf Marihuana.

Ziel- und zügellos

Linklater ist kein Geschichtenerzähler sondern viel eher ein Konservator. Er versteht es das Lebensgefühl eines Moments oder einer Epoche einzufangen und auf die Leinwand zu bannen. So als öffne er ein Marmeladenglas – herausströmt der Esprit und die Erinnerungen an vergangene Zeiten. So ganz mag ihm dies bei EVERYBODY WANTS SOME!! nicht gelingen. Zugegebenermaßen hatte es der Film jedoch von Anfang an als Nachfolgefilm zum großartigen BOYHOOD eher schwer.
EVERYBODY WANTS SOME!! , besetzt durch ein Ensemble aufstrebender Jungschauspieler,  ist ein Männerfilm – durch und durch. Eine Betrachtung weiblicher Charaktere, außer Beverly, findet quasi nicht statt – viel mehr werden sie zum Objekt der jungen Begierden abgetan. So durchziehen auch weitere Stereotypen, pubertäre Szenarien und Anspielungen wie Sehnen das Filmfleisch.
Andererseits zeigt der Film jedoch wie wandelbar und anpassungsfähig die Jugend in dieser Phase ihres Lebens noch ist: ob funky Discofox, punkiger Moshpit, ländlicher Cotton Eye Joe oder avantgardistische Kostümparty – die Kleidung wird prompt zur Tarnung. Gleich einem Chamäleon passen sich die Raufbolde den gegebenen Umständen an, da sie selbst noch nicht wissen wer sie sind oder sein wollen.

Trotz detailverliebtem Retro-Look mit Sepia-Stich: Linklater kratzt besonders zu Anfang seines neuen Werks bestenfalls an der Oberfläche. EVERYBODY WANTS SOME!! wirkt trotz der Vielzahl an unterschiedlichen und recht amüsanten Charakteren vergleichsweise flach. Dennoch: das Setting ist allemal atmosphärisch, auch für diejenigen, die die 80er selbst nicht miterlebt haben. Der Soundtrack ist zudem „einsame Spitze“ und lädt zu Spritztouren mit offenem Verdeck, einer Hand am Lenkrad und herausbaumelndem Arm ein. Auch das Timing stimmt: und so endet der Film auf einen passenden, interessanten Paukenschlag.
Schlussendlich macht Linklater im Vergleich zum Vorgängerfilm eindeutig nicht nur einen zeitlichen Schritt zurück, nein, auch einen in seiner Entwicklung – jedoch war BOYHOOD zugegebenermaßen in seiner Strahlkraft und Aufwendigkeit auch kaum zu überbieten. Nichtsdestotrotz hatte ich meinen Spaß mit EVERYBODY WANTS SOME!!, der sich, besonders im Vergleich zu thematisch Ähnlichen Filmen à la Seth Rogen, wesentlich spritziger und authentischer anfühlt.


7 / 10




BLOGPARADE: Real-Look vs. Movie-Look 

 Glen Powell - Finnegan


   
© FOX, Constantin Film

Glen Powell steht als Schauspieler hoch im Kurs. Nicht ohne Grund ernannte ihn der Hollywood Reporter zum "Next Big Thing". Zuletzt war er in der FOX Serie SCREAM QUEENS an der Seite von Jamie Lee Curtis, Emma Roberts, Lea Michele und Nick Jonas zu sehen.
Doch auch davor war der Texaner in namhaften Produktionen wie THE DARK NIGHT RISES, THE EXPENDABLES  und RIDE ALONG 2 mit von der Partie.

Kaum wiederzuerkennen

Der Drei-Tage-Bart tragende, sonst doch eher "kahlgeschorene", dunkelhaarige Glen hat wohl das signifikanteste Make-Over in EVERYBODY WANTS SOME!! verpasst bekommen: Schnauzer, Koteletten, blonde Disco-Mähne. Aber auch die Brustbehaarung darf natürlich nicht fehlen, die durch in hohe Jeans gesteckte, aufgeknöpfte Paisley-Hemden besonders gut zur Geltung kommt. Dabei erinnerte mich sein Style stellenweise an Matthew McConaugheys Performance in DALLAS BUYERS CLUB - jedoch in einer natürlich nicht ganz so vom Fleisch gefallenen Variante.

Dieses Real-Look vs. Movie-Look entstand durch ein Blogger-Special zum Film. Laura von sohomen.de hat Blake Jenner aka. Jake und Janina von mokkaauge.de Zoey Deutch aka. Beverly styletechnisch unter die Lupe genommen. Schaut doch auch mal bei ihnen vorbei!


Titel:                Everybody Wants Some!!
Erscheinungsjahr:    2016
Altersfreigabe:      FSK 12
Regie:              Richard Linklater
Cast:                Will Brittain, Zoey Deutch, Ryan Guzman, Tyler Hoechlin, Blake Jenner, 
                                 J. Quinton Johnson, Glen Powell, Wyatt Russell
Produktionsland:      USA
Länge:               117 Minuten
Kinostart:                  02. Juni 2016




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