15. September 2016

REVIEW: The Light Between Oceans (2016) - "Ebbe und Flut einer Liebe"

  
der cineast Filmblog Tom und Isabel tanzen auf ihrer Hochzeit
© Constantin Film

Derek Cianfrance ist der Mann für wirkliche, nahbare Gefühle. Auf intime und pure Art und Weise versteht er sich darauf Emotionen auf die Leinwand zu bannen. Nach dem äußerst realistischen Beziehungsdrama BLUE VALENTINE und seiner generationsübergreifenden Vater-Sohn-Geschichte THE PLACE BEYOND THE PINES, traut sich der Regisseur in seinem ersten Major-Film an eine Romanverfilmung.

Tom Sherbourne (Michael Fassbender) will als ehemaliger Soldat die Schrecken des Ersten Weltkrieges endgültig hinter sich lassen. Ruhe meint er in einer befristeten Stelle als Leuchtturmwärter auf der kleinen, entlegenen Insel Janus Rock zu finden, die einen halben Tag entfernt vor der Küste Australiens lagert. Als er kurz vor Amtsantritt jedoch der lebensfrohen Isabel Graysmark (Alicia Vikander) begegnet, sollen sich seine einsamen Pläne ändern.
Zunächst noch voneinander getrennt, heiratet das junge Paar recht zügig – denn auf Janus Rock wird nur die Ehefrau des Leuchtturmwärters geduldet. Doch Tom und Isabel genießen ihre abgeschiedene früheheliche Zweisamkeit und das Leben auf der Insel in vollen Zügen. Es ist ein einsames, aber zufriedenes Leben. Lediglich ein Kind fehlt zur Vollendung ihres gemeinsamen Glücks, aber das Schicksal meint es nicht gut mit den Beiden: Isabel erleidet gleich mehrere tragische Fehlgeburten.
Kurz nach dem Tod ihres zweiten ungeborenen Kindes, findet das Paar jedoch ein angespültes Ruderboot, in dem sich die Leiche eines Mannes befindet – und ein neugeborenes Baby. Auf das Flehen seiner Frau eingehend, beschließt der sonst so pflichtbewusste Tom das Kind mit Isabel als ihr eigen Fleisch und Blut groß zuziehen. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie jedoch noch nicht, welch erschütternde Konsequenzen ihr Handeln haben wird. Denn wenige Jahre später treffen Tom und Isabel auf die leibliche Mutter (Rachel Weisz) des Kindes.

Tosende See, glühende Sonnenuntergänge

THE LIGHT BETWEEN OCEANS scheint sich zunächst wunderbar in seine Vita einzufügen, doch Derek Cianfrance hat sich selbst wahrlich keinen Gefallen mit der Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans von M.L. Stedman getan. Liegt seine Stärke doch in der Interpretation von Emotionen im Hier und Jetzt der realen Welt. Eben dieses Flair erhoffte ich mir für THE LIGHT BETWEEN OCEANS – trotz Romanvorlage. Ganz besonders, da aus diesem Projekt wohl einer der schönsten derzeitigen Hollywood-Beziehung hervorging: die zwischen der Schwedin Alicia Vikander und dem Deutsch-Iren Michael Fassbender, die durch einen zarten Kuss bei den letzten Oscars öffentlich bestätigt wurde. Scheinbar perfekte Voraussetzungen. Doch warum weiß THE LIGHT BETWEEN OCEANS nicht zu begeistern?
Cianfrances neustes Werk ist ohne Zweifel atmosphärisch und auch handwerklich eine Augenweide. Immer wieder schmücken wunderschöne Naturaufnahmen den sonst so emotionsbehangenen Rahmen aus und bieten maritime Impressionen, die das Leben der Protagonisten passend illustrieren. Auch die schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden befinden sich auf einem hohen Niveau. Es mag nicht Michael Fassbenders beste Rolle sein, dennoch sah man ihn selten so verletzlich. Auch Vikander ist wieder stark, wobei die Rolle der Isabel doch sehr stark an ihre Performance in THE DANISH GIRL angelehnt ist.

Maritimer Schwulst

Unter der romanbedingten Last an schier übermächtigen Gefühlen jeglicher Art, leidet vor allem eines: die Geschichte. Das Kennenlernen der Protagonisten erfolgt überhastet und unrealistisch – bereits zu Beginn ein erheblicher Dorn im Auge. Unfokussiert, manchmal bis unendliche gedehnt – dann wieder schnell abgefrühstückt, sorgt THE LIGHT BETWEEN OCEANS nicht nur gefühlsmäßig für ordentlichen Seegang. Unterstrichen wird dieser Umstand durch die mit 130 Minuten eindeutig zu lange Laufzeit. Auch die mehr als ordentlichen Schauspielleistungen, schönen Landschaftsaufnahmen und Stimmungskollagen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass THE LIGHT BETWEEN OCEANS in einem eher stilisierten Drama mündet. Mit Weichzeichner übersäet, dem prämierten Cast und einer etwas zu vordergründigen musikalischen Untermalung von Alexandre Desplat, stellt THE LIGHT BETWEEN OCEANS vor allem eins dar: Oscar-Baiting auf hohem Niveau.
Doch selbst das alles wäre noch verzeihbar gewesen, wäre da nicht das Ende. Der Film wäre ohne die letzten 15 Minuten mehr als besser bedient gewesen. An dieser Stelle möchte ich natürlich nicht zu viel verraten – nur so viel: Nicolas Sparks lässt grüßen.

Cianfrance konfrontiert den Zuschauer mit der ständigen Frage nach Recht und Unrecht. Motive die sich sonst wunderbar in das vertraute Spektrum von Schuld, Sühne und Vergebung einreihen. THE LIGHT BETWEEN OCEANS ist wahrlich nicht schlecht - der Film ist schön anzuschauen, doch fehlt ihm eindeutig der sonst so dreckige Deckmantel der Realität, auf den sich Cianfrance sonst so versteht und die seine Filme so interessant machen. Alles in allem stellt THE LIGHT BETWEEN OCEANS eine doch deutlich spürbare Enttäuschung dar - wohlbemerkt am Maßstab Derek Cianfrances. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich dieser Abwärtstrend nicht weiter fortsetzt und der Regisseur mit seinem nächsten Projekt die Filmseele wieder zum tosen bringen wird.


6,5 / 10


Titel:The Light Between Oceans
Produktionsjahr:2016
Altersfreigabe:FSK 12
Regie: Derek Cianfrance
Cast: 
Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz, Bryan Brown, Jack Thompson, Leon Ford
Produktionsland: USA, Neuseeland
Länge: 130 Minuten 
Kinostart: 08. September 2016
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