8. Januar 2017

REVIEW: La La Land (2016) - "Eine Ode an die Träumer"

  
der cineast Filmblog Mia und Sebastian tanzen über den Dächern von L.A.
© Studiocanal

... so verrückt sie auch wirken mögen. Das ist das Credo des neusten Films von Regisseur Damien Chazelle. Dabei ist dem erst 31 Jährigen mit LA LA LAND nicht nur eine seit langem überfällige Hommage an das oft müde belächelte Genre des Hollywoodmusicals gelungen, sondern drückt ihm durch einen modernen Twist ebenfalls seinen eigenen Stempel auf. Bereits jetzt gilt der Film als Hauptfavorit bei den Oscars. Doch wird LA LA LAND seinem vorauseilenden Hype gerecht?

Die leidenschaftliche Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der charismatische Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) suchen das große Glück in Los Angeles, der Stadt der schier unbegrenzten Möglichkeiten. Während Mia an ihrem Traum einer Karriere als Schauspielerin arbeitet und sich in zahllosen, demütigenden Auditions vor unaufmerksamen Juroren die Seele aus dem Leib spielt, möchte Sebastian will dort seinen Traum eines eigenen Jazzclubs verwirklichen um den Menschen des 21. Jahrhunderts für traditionellen Jazz zu begeistern. Beide halten sich währenddessen mit Nebenjobs über Wasser – sie als Bedienung in einem Coffeeshop, er als Pianist in einem Restaurant in dem er Snobs den vorgegebenen Fahrstuhljazz vorklimpern muss.
Doch die Wege von Mia und Sebastian scheinen sich immer wieder aufs Neue zufällig zu kreuzen  woraus sich eine wundervolle Liebesgeschichte ergibt. Von nun an unterstützen sie sich gegenseitig bei der Erfüllung ihrer Träume. Doch schnell müssen Mia und Sebastian feststellen, dass diese auch Opfer fordern und ihre Beziehung auf eine harte Probe stellen.

Bes(ch)wingte Kinomagie

Damien Chazelle bannt mit LA LA LAND pure Kinomagie auf die große Leinwand – von einer brillant inszenierten Eröffnungsszene über detailverliebte Filmsets – unterlegt von einem großartigen Soundtrack, bei dem man bes(ch)wingt durch die Nacht tanzen möchte.
Dabei stellt der Film eine wundervolle Hommage an vergangene Glanzzeiten des Hollywoodkinos dar, proppenvoll mit Referenzen zu Filmklassikern wie SINGIN IN THE RAIN, DIE REGENSCHIRME VON CHERBOURG, DIE MÄDCHEN VON ROCHEFORT oder auch VORHANG AUF! die als maßgebliche Inspirationen für den Film gesehen werden dürfen.
Dabei verbirgt sich hinter dem Filmtitel mehr als man zunächst vermuten dürfte: zum einen ist LA LA LAND neben seiner musikalisch-anmutenden Phonetik ebenfalls der Kosename für L.A. und beschreibt des weiteren „a euphoric dreamlike mental state detached from the harsher realities of life.“[1] LA LA LAND vollbringt es zwei Künste und Leidenschaften meisterhaft miteinander zu vereinen: die Schauspielerei und die Musik. Und welches Genre würde sich da eher anbieten als ein Musical?

That someone in the crowd – if you are ready to be found

Doch gerade hier ist der Film nicht konsequent genug und hätte noch paar Musicalszenen mehr vertragen können. Nichtsdestotrotz ist der Soundtrack und Score von Justin Hurwitz, der auch schon die Musik zu WHIPLASH beisteuerte, atemberaubend schön mit einer absoluten Ohrwurm-Garantie und damit bereits jetzt Anwärter auf den besten Soundtrack des Jahres 2017.
Natürlich ist LA LA LAND in mehrfacher Hinsicht eine schwülstige Liebeserklärung an Los Angeles und alles wofür sie steht. Daraus, und aus seiner Leidenschaft für Hollywoodmusicals macht Chazelle zu keinem Augenblick einen Hehl, denn der Film trieft geradezu vor Herzensblut aller Beteiligten.
Sieht man sich das Drehbuch des Films an, stellt man des Weiteren fest, dass der Film mit der Chemie zwischen den Protagonisten stand und fiel: diese Hürde wurde bravourös gemeistert, denn Emma Stone und Ryan Gosling harmonieren ganz wunderbar miteinander. So sind beide das, was man heutzutage wohl als adäquates Pendant zu damaligen Hollywoodtraumpaaren ansehen könnte - was damit zusammenhängen dürfte, dass LA LA LAND bereits nach CRAZY, STUPID, LOVE und GANGSTER SQUAD bereits das dritte gemeinsame Filmprojekt darstellt. Alledings driftet der Plot hier und da ein wenig zu sehr ins Kitschige ab. In LA LA LAND werden aber auch durchaus kritische Töne hinsichtlich der Musikindustrie und der Traumfabrik Hollywood angeschlagen. Auch der stetig tobende Konflikt zwischen Altem und Neuen wird ausreichend stark inszeniert -  wie will man eine Revolution einleiten, wenn man an seinen traditionellen Werten festhält. Manchmal muss eben ein Teils sterben um etwas Neues zu schaffen.

Auch wenn es Szenen gab, die mir persönlich inszenatorisch nicht gefallen haben (Stichwort: gemeinsames, tänzelnd-leichtfüßiges Schweben durch sternenschwangere Sphären), weiß Damien Chazelle insgesamt wieder einmal zu begeistern. Glücklicherweise kann mit seinem neuen Werk an den Erfolg von WHIPLASH anschließen – und hat obendrein wohl das beste Musical der letzten Jahrzehnte und damit einen modernen Klassiker geschaffen.
Ich freue mich bereits jetzt schon LA LA LAND erneut sehen zu können und möchte keineswegs ausschließen, dass der Film nach der Zweitsichtung durch eine Nachbepunktung an der 10-Punkte-Marke kratzen könnte. Welch ein Auftakt für das noch so junge Kinojahr.
Ein Hoch auf die Künste!

9 / 10


Titel:La La Land
Produktionsjahr:2016
Altersfreigabe:FSK 0
Regie: Damien Chazelle
Cast: 
Ryan Gosling, Emma Stone, John Legend, J.K. Simmons
Produktionsland: USA
Länge: 128 Minuten 
Kinostart:12. Januar 2017 
Verfügbar auf: http://amzn.to/2qCOakh* (Mediabook Blu-Ray + Soundtrack CD)
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1 Kommentar

  1. Ich habe auch nicht die volle Punktzahl vergeben. Mein persönlicher Negativpunkt war die Kamera, die sich oft so schnell gedreht hat (Stichwort: Poolparty), dass die Augen nicht mitkamen. Ansonsten fand ich den Film aber echt super. Musicals sind ja immer so eine Sache, Jazzmusik für den ein oder anderen sicherlich auch, aber hier passt einfach alles.

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