23. Januar 2017

REVIEW: Mein ziemlich kleiner Freund (2016) - "Klein aber oho!"

  
der cineast Filmblog Diane und Alexandre sitzen auf dem Bett
© Concorde

Alexandre hat viele Qualitäten. Er ist charmant, witzig, erfolgreich und wohlhabend. Doch um Diane wirklich zu gefallen, fehlt ihm mindestens ein halber Meter, denn der scheinbare Traumprinz misst gerade einmal 1,36 cm. Doch spielt das wirklich eine Rolle? Ob Liebe eine Frage der Körpergröße ist, hinterfragt die französische Liebeskomödie mit Feelgood-Einschlag MEIN ZIEMLICH KLEINER FREUND.

Die quasi-geschiedene Diane (Virginie Efira) ist das, was man eine wahre Power- und Karrierefrau nennen könnte: sie ist eine erfolgreiche Anwältin, die zusammen mit ihrem Ex-Mann Bruno (Cédric Kahn) unter einigen Spannungen und Diskrepanzen eine Kanzlei führt. Machtkämpfe sind hier an der Tagesordnung. Als sie eines Tages jedoch ihr Handy verliert, wird sie vom Finder des Telefons angerufen. Der edle Helfer heißt Alexandre (Jean Dujardin) und lädt sie zum Essen ein – dabei sprühen bereits am Telefon die ersten Funken. Die gestandene Anwältin weiß zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, dass der hilfsbereite Architekt alles andere als „gewöhnlich“ ist. Als man sich zur Übergabe trifft, ist der Schock für Diane groß, denn der charmante Mann hat unübersehbares Manko: Er ist klein. Nicht Tom-Cruise-klein, sondern Peter-Dinklage-klein. Nichtsdestotrotz bahnt sich der kleine Mann seinen Weg in Dianes Herz. Diese sieht sich jedoch durch ihr gesellschaftliches Umfeld von dieser scheinbaren Tabu-Konstellation konfrontiert. Schafft es Diane sich über den Spott der Leute hinwegsetzen und zu ihrer großen kleinen Liebe zu stehen?

Wahre Größe

Die Franzosen sind wohl die Meister der lockeren, romantischen Feelgoodkomödien. MEIN ZIEMLICH KLEINER FREUND stellt dabei keine Ausnahme dar. Im legeren, luftig-leichten, sommerlichen Setting von Marseille, wird die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Diane und Alexandre erzählt, die stellenweise an DIE SCHÖNE UND DAS BIEST oder auch ZIEMLICH BESTE FREUNDE erinnern mag. Dabei stammt MEIN ZIEMLICH KLEINER FREUND nicht aus der Feder eines französischen Drehbuchautors, sondern ist das französischen Remake der argentinischen Erfolgskomödie CORAZON DE LEON.
An sich spricht vieles dafür, dass Alexandre und Diane miteinander glücklich werden könnten. Er ist charismatisch und äußerst abenteuerlustig, was er mit einem gemeinsamen Fallschirmsprung unter Beweis stellt. Durch seine durch und durch charmante und witzige Art schafft er es im nu Dianes Herz zu erobern und für sich zu gewinnen: denn was ihm an physischer Größe fehlt macht er mit charakterlicher wieder wett. Doch aus einer märchenhaft anmutenden Liebesgeschichte à la daher gerittenem Märchenprinz auf weißen Schimmel wird schon bald „Schneewittchen und ihr Zwerg“.
Aber wen interessieren schon Äußerlichkeiten, wenn man ansonsten perfekt harmoniert? Dennoch ist das Duo in der Öffentlichkeit ständiger Häme ausgesetzt. Verständlich, dass da selbst bei der taffesten Frau irgendwann die Nerven blank liegen.

Links oder rechts? Zu dir oder zu mir?

So moralisch wertvoll der Aspekt des Größenunterschieds als potentieller Liebestöter auch sein mag, so abgeschmackt ist leider das romantische Beiwerk, das dem Schema F ohne jegliche Überraschungen folgt, mit dem diese Liebe zu einem klassischen Happy End getrieben werden soll. Doch über eine Frage kann der Film nicht hinwegtäuschen: Wäre der »Zwerg« nicht so reich, so adrett und ungeheuer charmant – hätte Diane dieses Männlein überhaupt eines Blickes gewürdigt oder ihn gar in die nähere Auswahl genommen?
Nichtsdestotrotz hat MEIN ZIEMLICH KLEINER FREUND so einige nette und vor allem witzige Momente, in denen Alexandre zum Beispiel in bester John Travolta SATURDAY NIGHT FEVER Manier sein Tanztalent unter Beweis stellt, wobei der Slowdance dann doch recht seltsam anzusehen ist.
Generell wird in MEIN ZIEMLICH KLEINER FREUND die gesamte Thematik etwas zu sehr auf die Spitze getrieben und kaum ein Klischee bzgl. kleiner gewachsenen Menschen ausgelassen. Besonders die verzerrte Darstellung und die unwirklichen Proportionen von Jean Dujardin, der durch technische Tricksereien künstlich geschrumpft wurde, sind dann doch etwas zu viel des Guten. Hier stellt man sich die Frage, warum nicht gleich ein von Natur aus eher kleinwüchsiger Schauspieler für die Rolle des Alexandre ausgewählt wurde. Dieser hätte jedoch wohl kaum die Zugkraft eines Jean Dujardin besessen.

Letzen Endes erinnert uns MEIN ZIEMLICH KLEINER FREUND nicht nur daran,  dass man keine Angst haben muss den Sprung in ein neues Leben zu wagen, sondern auch, dass wahre Größe aus dem Inneren kommt. Regisseur Laurent Tirard appelliert dabei auch an unsere Toleranz und dass man zu unseren Gefühlen stehen sollte – ganz ohne einen Blick auf gesellschaftliche Zwänge, Normen und Vorstellungen. 

5 / 10



Titel:Mein ziemlich kleiner Freund (Un homme à la hauteur)
Produktionsjahr:2016 
Altersfreigabe:FSK 0
Regie: Laurent Tirard
Cast: 
Jean Dujardin, Virginie Efira, Cédric Kahn, César Domboy, Manöelle Gaillard, François-Dominique Blin
Produktionsland: USA 
Länge: 99 Minuten 
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