1. Februar 2017

REVIEW: The Eyes Of My Mother (2016) - "Verstörend schön"

  
© Drop-Out Cinema / Bildstörung

Eine Frau die aus einem Meer aus riesigen Bäumen hervor tritt. Eine Badewanne – darin der knochige, starre Körper eines Mannes. Ein abgetrennter Kuhkopf mitten auf dem Küchentisch. Das Filmdebüt THE EYES OF MY MOTHER ist äußerst atmosphärisch und erzeugt trotz ansprechender Ästhetik ein tiefstes inneres Unbehagen - definitiv nichts für schwache Nerven.

Die kleine Francisca wächst in einer waldreichen US-amerikanischen Provinz als Tochter eines amerikanischen Bauern und einer portugiesischen Chirurgin in der ländlichen Abgeschiedenheit einer Farm auf. Schon als kleines Mädchen wird Francisca neben den religiösen Geschichten ihre Mutter mit schockierenden Anblicken konfrontiert, die der Psyche eines jeden noch so jungen Menschen auf irreparable Weise zusetzen könnte. Doch nicht so Francisca, die die medizinischen Demonstrationen ihrer Mutter mit einer natürlichen Faszination und Selbstverständlichkeit betrachtet.
Doch eines Nachmittags steht plötzlich ein seltsamer Fremder namens Charlie vor dem Haus. Was an diesem Nachmittag passiert ist unfassbar grausam. Doch damit fängt alles erst an, denn an diesem Tag wird ein Monster geboren…

Festung der Einsamkeit

Selten war es so schwer eine Review ohne Spoiler zu verfassen wie bei THE EYES OF MY MOTHER, denn der Film ist mit seinen gerade einmal 77 Minuten erfrischend dicht inszeniert. THE EYES OF MY MOTHER stellt darüber hinaus Regisseur Nicolas Pesces Debütfilm dar – in äußerst elegantem schwarz-weiß und mit ganz viel Arthouse-Flair, kommt man nicht drum herum besonders Schlüsse zu Hitchcocks PSYCHE zu ziehen oder sich optisch an A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT erinnert zu fühlen.
Hierzulande lief der Film beispielsweise bereits im Sommer auf dem FANTASY FILMFEST und findet nun verdienterweise seinen Weg in vereinzelte deutsche Kinos.

Ein stiller Schrei nach Liebe

Erlebte und mitangesehene Gewalt sinnt auf Wiederholung. Durch eine nahezu lyrische Klimax erzählt Pesce in drei verstörenden Kapiteln seine Geschichte – untermalt von wunderschönem portugiesischen Fado und einer linguistischen Melange aus Englisch und Portugiesisch. Dabei erfindet der Regisseur und Drehbuchautor erzählerisch allerdings nichts grundlegend Neues. Doch die erhabenen Schwarz-Weiß-Bilder betören die Augen des Betrachters, aber sorgen ebenfalls dafür, dass auch die fiesesten Splatter-Effekte seltsam artifiziell erscheinen. Weh tun die Bilder trotzdem.
Das beklemmende Gefühl des Films wird dabei hauptsächlich über die visuelle Ebene übertragen. Und das gelingt ganz wunderbar, fühlt sich der Zuschauer doch gleichsam abgestoßen und fasziniert – gefangen in einer ungebremsten Alptraum-Spirale, der man nicht so schnell entfliehen möchte.
Doch zu welchen Gräueltaten Francisca dann letzen Endes fähig ist, traut sich selbst der Regisseur des Films nicht in vollem Ausmaß zu zeigen – der Großteil des „Horrors“ impliziert Pesce lediglich, und bietet trotz einigen durchaus zärtlichen Momenten zwischen Tochter und Vater dem Publikum ein doch eher schwer verdauliches Kopfkino.

Nach THE EYES OF MY MOTHER sollte man den eigentlichen Videoclip-Regisseur Nicolas Pesce ohne Zweifel im Auge behalten.
Durch eben diese Tätigkeit im Bereich der Musikvideos, liegt der Fokus des Films definitiv auf der audiovisuellen Ebene, denn narrativ ist das Ganze hier und da noch ein wenig holprig geraten. Nichtsdestotrotz ist THE EYES OF MY MOTHER ein quälend langsamer Arthouse-Horrorfilm geworden, der es definitiv wert ist gesehen zu werden - es neben dem kleinen Kinostart aber schwer haben wird, da er für Genre-Fans zu Arthouse-lastig und für Indie-Liebhaber wohl zu brutal sein könnte.


7,5 / 10



Titel:                The Eyes Of My Mother
Produktionsjahr:       2016
Altersfreigabe:      FSK 16
Regie:              Nicolas Pesce
Cast:                Kika Magalhaes, Diana Agostini, Will Brill, Flora Diaz, Olivia Bond
Produktionsland:      USA
Länge:               77 Minuten
Kinostart:                  02. Februar 2017



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