14. März 2017

REVIEW: Die Rote Schildkröte (2016) - "Schiffbruch mit Schildkröte"

  
der cineast Filmblog Die Rote Schildkröte Ein Schiffbrüchiger braut sich ein Floss um von einer einsamen Insel zu entkommen doch eine rote Schilkröte hält ihn immer wieder auf
© Universum Film

Eigentlich sollte ERINNERUNGEN AN MARNIE 2014 der zunächst letzte Film vom beliebten Studio Ghibli sein. Nun ist die japanische Trickfilm-Schmiede doch wieder zurück – wenn auch nur mit einer Co-Produktion. Das Besondere hierbei ist - neben dem überraschenden Comeback - die Tatsache, dass Ghibli zum ersten Mal an einem Filmprojekt außerhalb Japans beteiligt war und seine Fühler gen Europa ausstreckt.

Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Zum Überleben gibt es dort genug, Gefahren lauern jedoch überall. Er baut sich ein Floss, um von der Insel fortzukommen, wird jedoch jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, daran gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch das Tier entpuppt sich als eine magische Kreatur...

Sisyphos meets Robinson Crusoe

Fast 10 Jahre Arbeit stecken in DIE ROTE SCHILDKRÖTE. Beinahe alle Bilder sind von Hand gezeichnet – lediglich einige Elemente wurden am Computer animiert. Dieser Umstand macht auch einen Großteil des Charmes aus. So erinnert der Animationsfilm mit seinen knopfäugigen Charakteren stark an die Arbeiten des belgischen Zeichners Hergé (TIM UND STRUPPI) und verleiht ihm dadurch einen zeitlosen Touch, weshalb der Film sich eher für ein älteres Publikum und nur bedingt für Kinder empfiehlt.
Darüber hinaus ist DIE ROTE SCHILDKRÖTE dialoglos, d. h. es wird kein Wort gesprochen. Es findet lediglich eine akzentuierte, musikalische Untermalung oder das Einbinden von Naturgeräuschen und menschlichen Lauten statt. Ein Umstand, den man ggf. wissen sollte bevor man den Film sieht, da man sich schon darauf einlassen muss.
Der Film stellt ein buntes Genre-Potpourri dar: Schiffbrüchigen-Drama, Liebesgeschichte, Coming-of-Age Geschichte, Familiendrama. Dieser Transfer bringt eine angenehme Dynamik in die sonst eher minimalistische Erzählstruktur. Dabei merkt man leider, dass Regisseur Michael Dudok de Wit aus dem Bereich des Kurzfilms kommt – denn in seinem ersten Langfilm hat er das Potential einer komplexeren Handlung nicht genutzt. Die vergleichsweise kurze Laufzeit fühlt sich daher paradoxerweise doch etwas länger an.

Fabel-haft doch leider nicht fabelhaft

DIE ROTE SCHILDKRÖTE ist letzten Endes ein schön gezeichneter Animationsfilm geworden, der eine gewisse meditative Wirkung ausstrahlt. Dabei lässt der Film viel Raum für eigene Gedanken und spielt mit seinen poetischen Bildern. Eine Fabel über den Kreislauf des Lebens, über das Eltern-Sein und auch ein wenig über das, worauf es im Leben letztendlich ankommt. Doch leider ist der Film durch seine stark reduzierte Handlung und die stark mystischen Elemente in meinen Augen zu symbolträchtig und schwer verständlich geraten.

6,5 / 10


Titel:Die Rote Schildkröte (La Tortue Rouge)
Produktionsjahr:2016 
Altersfreigabe:FSK 6
Regie: Michael Dudok de Wit
Produktionsland: Japan, Frankreich, Belgien 
Länge: 81 Minuten 
Kinostart: 16. März 2017
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