16. April 2017

REVIEW: The Founder (2016) - "Burger-Beharrlichkeit"

  
© Splendid

Nach BIRDMAN und SPOTLIGHT lässt sich Michael Keaton nun wieder auf der großen Leinwand blicken. In THE FOUNDER schlüpft er in die Rolle des McDonald’s Gründers Ray Kroc. Kroc? Nicht McDonald’s? Eine Geschichte um die hässlichen Schattenseiten des American Dreams.

Anfang der 1950er Jahre tingelt der 52-jährige Vertreter Ray Kroc (Michael Keaton) mit seinen Milchshake-Mixern quer durch die USA und lässt nichts unversucht, um Restaurantbesitzern seine klobigen Maschinen schmackhaft zu machen. Trotz der Motivationsparolen, die abends im Motel von einer Schallplatte auf ihn einprasseln, kann sich Ray nur selten über Abschlüsse freuen. Umso mehr ist der Geschäftsmann verwundert, als er einen Auftrag über mehrere Maschinen bekommt. Der Kunde: ein Schnellimbiss aus Kalifornien. Interessiert macht sich Kroc auf den Weg nach San Bernardino, wo ihm ein erstaunlicher Anblick geboten wird: es herrscht ein riesiger Andrang um das Lokal der Brüder Dick (Nick Offerman) und Mac McDonald (John Carroll Lynch) - endlose Schlangen, die sich jedoch wieder in Windeseile auflösen. Ihr Geheimrezept: ein ausgeklügelter, beinahe taylorisierter Servierprozess durch den Burger innerhalb weniger Minuten an den Kunden ausgegeben können.
Dieses Konzept teilen die Brüder gerne mit ihrem Bewunderer, der sofort das Potential eines Franchises und somit als Agent seinen eigenen Erfolg wittert. Die beiden Männer sind zunächst skeptisch, da vorherige Expansionsversuche nicht den gewünschten Erfolg erzielten. Doch Kroc kann durch seine Überschwänglichkeit Dick und Mac dann doch von seinem Konzept überzeugen. Noch wissen die beiden Gründer jedoch nicht, dass sie damit den Fuchs zu sich in den Hühnerstall gelassen haben …

Ballett der Effizienz

Der Hamburger: Seit den fünfziger Jahren avancierte dieses Fast-Food-Produkt zusammen mit dem Milchschake zum Inbegriff der amerikanischen Popkultur.
THE FOUNDER spielt zu eben dieser Zeit und beleuchtet die Unternehmensgeschichte des Fast-Food-Giganten McDonald’s oder viel mehr die Erfolgsstory um Ray Kroc, der McDonald's zwar nicht gegründet oder erfunden, aber erst zu dem gemacht hat, was es heute ist.
Wer hier im Vorfeld einen Werbefilm über die glorreiche Geschichte des McDonald’s-Konzerns befürchtet hatte, darf aufatmen.
In THE FOUNDER bietet Regisseur John Lee Hancock dem Zuschauer ein erfrischendes Biopic sowie interessante Einblicke in die Historie eines Global-Players, die man zuvor nur bedingt kannte.

Wer anderen eine Grube gräbt, der hat ein Burgerbratgerät

Der Film wird von einem wohlig-soft inszeniertem Retro-Look umhüllt. Im fleischigen Kern und auch im Fokus von THE FOUNDER steht Michael Keatons eindringliche Darstellung des ambivalenten Geschäftsmannes Ray Kroc. Die gewisse Würze wird diesem Film-Burger durch das bissige Drehbuch und somit durch die Melange aus Drama und satirischer Parabel verliehen. Gekonnt wird hier der eingangs noch recht sympathisch wirkenden Protagonist sukzessive auf der Leinwand entzaubert. Dass es keinen strahlenden Held braucht, zeigte schon THE SOCIAL NETWORK, der jedoch um einiges düsterer angelegt ist. Zur Gurke verkommen in THE FOUNDER leider die meisten der Nebenfiguren - insbesondere Laura Dern, die die Ehefrau Krocs darstellt - da Keaton sie mit seinem omnipräsenten verbissenen und einnehmenden Schauspiel verdrängt. Einzig und allein Nick Offerman und John Carroll Lynch schaffen es zeitweise Keaton die Stirn zu bieten.

Verträge sind wie Herzen – sie müssen gebrochen werden

THE FOUNDER ist ein durchaus packender Wirtschaftskrimi, der jedoch gen Ende sein Timing verpasst und somit etwas langatmig wird. Obwohl der Film handwerklich gut gemacht und thematisch interessant gestaltet ist, floppte er an den amerikanischen Kinokassen und wurde auch bei den Oscars gänzlich übergangen. Dabei entlarvt der Film gezielt den amerikanischen Traum und zeigt, dass dessen Fundament oftmals aus den Träumen und Errungenschaften anderer besteht und oftmals Verrat und eine gute Portion Egoismus die Ideale dieser übertrumpfen.

Am Ende verlässt man den Kinosaal und verspürt durchaus den Drang sich zu den zwei goldenen Bögen zu begeben und herzhaft in einen warmen Cheeseburger zu beißen. Doch da ist THE FOUNDER leider schon fast wieder vergessen.

6,5 / 10


Titel:The Founder
Produktionsjahr:2016 
Altersfreigabe:FSK 0
Regie: John Lee Hancock
Cast: 
Michael Keaton, Laura Dern, Patrick Wilson, Nick Offerman, Linda Cardellini, John Carroll Lynch
Produktionsland: USA 
Länge: 115 Minuten 
Kinostart: 20. April 2017
Verfügbar auf: http://amzn.to/2s5giKL* (Blu-Ray)
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