21. Mai 2017

REVIEW: Song to Song (2017) - "Im Sog des Seins"

  
© Studiocanal

Kinopoet Terrence Malick kehrt nach KNIGHT OF CUPS nun mit seinem neuen Film SONG TO SONG auf die Leinwand zurück. Beim Regisseur und Philosophen scheiden sich bei Kinogängern und Filmfreunden regelmäßig die Geister. Wie steht es um sein aktuelles Werk?

Die Musikszene in Austin, Texas. Auf einer Party des einflussreichen Produzenten und Musikmoguls Cook (Michael Fassbender) lernen sich die ambitionierte Musikerin Faye (Rooney Mara) und der aufstrebende Songschreiber und jüngste Schützling Cooks, BV (Ryan Gosling), kennen. Beide verlieben sich ineinander. Was BV zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht noch weiß: in der Hoffnung auf Aufstiegschancen und ihren großen Durchbruch hat Faye bereits eine Affäre mit Cook. Abseits des Rampenlichts entwickelt sich ein explosives Dreiergespann, deren Protagonisten sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben lassen ...

Philosophische Tiefenbeschallung

Es gibt wenige Regisseure, bei denen sich die Geister von Filmfans derart scheiden wie bei Terrence Malick. Nichtsdestotrotz stehen bei seinen Projekten die Stars Schlange. In seinem letzten Film – KNIGHT OF CUPS, der auf seine eigene Art und Weise mit dem Filmgeschäft abrechnete – waren beispielsweise Christian Bale, Natalie Portman und Cate Blanchett zu sehen. Letztere Damen sind nun auch wieder bei Malicks neuster Bildkomposition SONG TO SONG mit von der Partie.
Dabei wurde weitestgehend ohne Drehbuch gedreht und das Improvisationstalent der Akteure in den Vordergrund gerückt, was dem Film eine angenehme Leichtigkeit verleiht. Es sind die kleinen Gesten, die dem Film sein Gewicht verleihen. Dabei ist die dargebotene emotionale Spannbreite der Schauspieler enorm. Hinzukommen dokumentarische Aufnahmen von Musikfestivals und Gastauftritte von Stars der Musikszene wie Lykke Li, Iggy Pop und Patti Smith. Da versteht es sich beinahe von selbst, dass der Soundtrack zum Film ebenfalls brilliert.
Und ja, Ryan Gosling singt – doch wer sich hier einen erneut singenden Gosling à la LA LA LAND erhoffte, der wird bitterlich enttäuscht. Darüber hinaus finden in SONG TO SONG Dialoge kaum einen Platz – an ihre Stelle treten Erzählungen aus dem Off. Auch Namen spielen in dem Film keine Rolle – so wird lediglich der Name Fayes genannt.

Der Weg ist das Ziel

Dies scheint nicht nur das Motto der meisten von Malicks Charakteren zu sein, sondern auch das seine: so sammelt er beim Dreh seiner Filme so viel Material wie möglich und findet erst in der Postproduktion heraus, worum es in dem Film überhaupt letztendlich gehen wird. 
Einen wesentlichen Teil dazu trägt Malicks Haus- und Hof Cinematograph Emmanuel Lubezki bei, mit dem er schon zahlreiche seiner Filme realisiert hat. Die herausragenden Aufnahmen des Oscar-prämierten Bilderkünstlers ermöglichen erst die poetischen und aussagekräftigen Motive die der Regisseur zu transportieren versucht.
SONG TO SONG ist nicht nur von der Machart äußerst ähnlich zu seinem Vorgänger - auch thematisch gleichen sich beide Filme sehr: denn am chronologischen Erzählen ist Terrence Malick schon lange nicht mehr interessiert. SONG TO SONG sticht jedoch im Vergleich zu KNIGHT OF CUPS deutlich hervor, da der Film an sich wesentlich greifbarer und zugänglicher ist. So habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich in die Gefühlswelten der Protagonisten vollkommen eintauchen konnte und der Film mich retrospektiv zum Nachdenken gebracht hat sowie einen gewissen Anstoß zur Selbstreflexion gab.
Jede Erfahrung ist besser als gar keine Erfahrung. Auch schlechte Erfahrungen sind lohnenswert. Es gibt kein Schema F, keine perfekte Formel und keinen Garant für ein erfolgreiches, glückliches, erfülltes Leben. Es gibt keine falschen Wege. Ein zutiefst beruhigendes Gefühl.

Handwerkliche Stringenz

Man könnte dem Regisseur Einfallslosigkeit oder Verbissenheit vorwerfen – dass er einen für ihn idealen Film im Kopf hat, diese Idee immer und immer wieder bis hin zur Vollkommenheit zu verfilmen versucht und dabei nur hier und da an einigen Stellschrauben dreht.
Doch vielleicht ist Malick lediglich stringent und hat seine Linie – seine Art des Filmemachens gefunden. Ist es nicht gerade das wonach so viele Künstler streben? Die Suche und das Herausbilden seines eigenen, ikonischen Stils? Wäre der Regisseur unter diesem Gesichtspunkt nicht eher zu beneiden?

Wem Malicks vorherige Werke schon nicht zugesagt haben, wird wohl auch an SONG TO SONG keinen Gefallen finden. Wem KNIGHT OF CUPS jedoch etwas zu sperrig war, der sollte bei SONG TO SONG definitiv einen Blick riskieren. Freigeistern, Fans und „Cinesophen“, die sich in Malicks und durch Lubezki bebilderten Lebenssinn-Collagen genussvoll treiben lassen können, sei SONG TO SONG wärmstens ans Herz gelegt. 

7,5 / 10


Titel:Song to Song 
Produktionsjahr:2017
Altersfreigabe:ohne Angabe
Regie: Terrence Malick
Cast: 
Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman, Cate Blanchett, Holly Hunter, Val Kilmer, Patti Smith, Iggy Pop
Produktionsland: USA 
Länge: 129 Minuten 
Kinostart: 25. Mai 2017
Verfügbar auf: http://amzn.to/2sVdXoH* (Blu-Ray)
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